Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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6.  Das  Bankwesen  in  Österreich
Die  älteste  Bank  des  Landes  von  Bedeutung  war  die  O  e  st  e  r  r  e  i  ch  i  s  chungarische
  Bank,  das  Zentralnoteninstitut  beider  Reichshälften,  das
aus  der  mit  kaiserlichen  Patenten  vom  1.  Juni  1816  gegründeten  privilegierten ­
  Oesterreichischen  Nationalbank  hervorgegangen  ist.
Sie  hat  dem  Staate,  besonders  in  Kriegszeiten,  erhebliche  Dienste  geleistet,
ist  aber  dadurch  zeitweise  selbst  in  harte  Bedrängnis  gekommen  ss.  unten).
Die  österreichischen  Kreditbanken  sind  ähnlich  organisiert  wie  die  deutschen
Banken.  Warenhandelsabteilungen,  zwecks  Finanzierung  des  Warenhandels, ­
  bestanden  bei  österreichischen  Banken  weit  früher  als  bei  deutschen
Banken.  Auch  die  Beziehungen  zur  Industrie  sind  seit  langer  Zeit  sehr  eng.
Von  Wien  und  von  Budapest  aus  wurde  die  Industrie  der  ehemaligen
Monarchie  finanziert.
Der  Kampf  zwischen  Privatbankiers  und  Aktienbanken  führte  dazu,  daß
die  Privatbankiers  und  die  kleineren  Institute  immer  mehr  verschwanden,
während  die  großen  Banken  ihr  Aktienkapital  und  die  Zahl  ihrer  Filialen
und  Depositenkassen  in  raschem  Tempo  vermehrten.
Durch  die  Zerstückelung  des  früheren  Reichsgebiets  wurden  die  österreichischen ­
  Banken  schwer  betroffen,  da  ihre  Tätigkeit  sich  auf  das  gesamte
Territorium  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie  erstreckt  hatte.  Es
war  für  sie  nicht  leicht,  ihre  Stellung  auf  dem  Gebiete  der  heutigen  Nachfolgestaaten ­
  aufrechtzuerhalten;  schwere  Opfer  mußten  gebracht  werden.
Die  bedeutendste  und  älteste  Großbank  in  Österreich  war  die  Österreichische ­
  Credit-Anstalt  für  Handel  und  Gewerbe.  Sie  hatte  nach  und  nach  durch
Fusion  vier  der  bedeutendsten  österreichischen  Banken  aufgenommen.  Ihre
Bilanzsumme  machte  mehr  als  die  Hälfte  aller  österreichischen  Banken  aus.
60%  der  österreichischen  und  ein  Teil  der  Industrie  der  Nachfolgestaaten  war
mit  ihr  kreditmäßig  verflöchten.  Der  Wiener  Bankapparat  war  übersetzt,  ein
großer  Teil  der  Auslands-  wie  Jnlandsforderungen  verloren  gegangen  oder
festgefroren.  Die  Finanzierung  der  Creditanstalt  war  hauptsächlich  durch  das
Ausland  erfolgt.  Als  dieses  die  Gelder  zurückverlangte,  war  die  Creditanstalt
zur  Rückzahlung  nicht  in  der  Lage.  Daher  Einspringen  des  Bundes  und  Stillhalten ­
  der  Gläubiger.  Die  Sanierungsverhandlungen  kamen  erst  im  Frühjahr
1933  zum  Abschluß.
Auch  die  beiden  anderen  Großbanken:  der  Wiener  Bank-Verein  und  die
Niederösterreichische  Escompte-Gesellschaft  mußten  im  März  1933  saniert  werden. ­
  Insgesamt  wurden  hierfür  mehr  als  1%  Milliarden  sb  benötigt,  wovon
mehr  als  1  Milliarde  aus  öffentlichen  Mitteln  stammte.  Da  sich  nur  die  Sanie-
            
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