Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

-26  Gebabö  30.  A.

401

der  einheimischen  Wechsler  entwickelte,  hervorgegangen.  In  den  Plätzen  ohne
erheblichen  Eigenhandel,  wo  sich  der  Wechselverkehr  naturgemäß  im
engsten  Anschluß  an  die  Faktoreien  der  Italiener  entwickelte,  waren  die  Umgebung ­
  dieser  Faktoreien  und  die  Straßen,  wo  die  Besitzer  ihre  Kaufhäuser
oder  ihre  Loggien  besaßen,  die  Örtlichkeiten,  an  denen  zuerst  ein  Börsenverkehr
entstanden  ist.
Im  Mittelalter  hat  die  Börse  hauptsächlich  dem  Verkehr  in  Wechselbriefen
  gedient.  Berühmtheit  erlangten  bte  Börsen  auf  dem  Rialto  und  dem
Markus-Platz  in  Venedig,  sowie  die  Börsen  auf  dem  Nereato  nuovo  in  Florenz.
Der  Name  „Börse"  stammt  von  dem  Platze  in  Brügge,  an  dem
die  Konsularhäuser  der  Italiener  lagen  und  der  „de  beurse“  oder  „de
burse“  hieß,  nach  dem  Hause  der  Patrizierfamilie  van  der  Beurse.
Von  Brügge  aus  wurde  die  Einrichtung  und  der  Name  „Börse"  im
15.  Jahrh,  nach  den  anderen  großen  Zentralplätzen  Europas  übertragen.
Die  erste  internationale  Weltbörse,  an  die  die  moderne  Entwicklung ­
  des  Börsenwesens  anknüpft,  war  die  von  Antwerpen.  1531
wurde  sie  in  einem  besonderen,  von  der  Stadtverwaltung  erbauten  Börsengebäude ­
  untergebracht,  das  die  Inschrift  „in  usuin  negotiatorum  cujuscunque
  nationis  ac  linguae“  (Für  Kaufleute  aller  Völker  und  Zungen)
trug,  und  in  dem  tatsächlich  Kaufleute  aus  England,  Italien  und  vielen
änderen  Ländern  zusammenkamen.  Die  Handels-  und  Verkehrsfreiheit,
die  in  Antwerpen  herrschte,  ließ  den  überseeischen  Warenhandel  zur  vollen
Vlüte  gelangen.
Ein  Zeitgenosse  schrieb  über  die  Börse  von  Antwerpen:  „Man  hörte  dort  ein
verworrenes  Geräusch  aller  Sprachen,  man  sah  ein  buntes  Gemenge  aller
möglichen  Kleidcrtrachten,  kurz,  die  Antwerpener  Börse  schien  eine  kleine  Welt
Zu  sein,  in  der  alle  Teile  der  großen  vereinigt  waren."
3.  Die  Börse  von  Amsterdam
Mit  Begründung  der  Niederländisch-Ostindischen  Kompagnie  (1602)
Unb  der  Westindischen  Kompagnie  (1622)  kam  der  Börsenhandel  in  ein
Neues  Stadium.  Amsterdam  trat,  was  den  internationalen  Verkehr
"«belangt,  mehr  und  mehr  an  die  Stelle  Antwerpens.  Hier  entstand  das
börsenmäßige  Termingeschäft,  und  die  Technik  der  Abwicklung  der
Börsengeschäfte  erreichte  einen  hohen  Grad  der  Vollkommenheit.
Natürlich  zeitigte  das  umfangreiche  Geschäft  auch  Auswüchse  im
Vörsenhandel.  Zu  deren  Beseitigung  schlug  im  Jahre  1687  ein  Amster-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.