482
An de» englischen und amerikanischen Börsen werden, entsprechend der Kopf
haltung der Stiere und Bären, die Haussiers „Lull8" (Stiere), die Baissiers
„Laar s" (Bären) genannt, in Frankreich „in i n e u r s" bzw. „c o n t r e -
mineurs". In Deutschland gebraucht man für die Gesamtheit derjenigen, die
„in blaneo", „ä dfeouvert" (ungedeckt) verkaufen, den Ausdruck „Konter-
m i n e".
Der volkswirtschaftliche Nutzen der Baissespekulation kann
darin bestehen, daß sie bei a u f st e i g e n d e r Konjunktur den Opti
mismus etwas dämpft, indem sie auch an die ungünstigen Momente er
innert, in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges oder
politischer Aufregung bewirkt, daß die Fixer sich decken,
d. h. die einzigen Personen sind, die als Käufer auftreten und dadurch ver
hüten, daß die Papiere infolge des allgemeinen Mißtrauens usw. un
verkäuflich werden. Die Ausschaltung der Kontermine im Kriege
hat zweifellos bewirkt, daß der Hennnschuh, den die Baissetcndenz für jede
Aufwärtsbewegung bildet, der Kriegsspekulation gefehlt hat.
Ein wirtschaftliches Bedürfnis erfüllt der Terminhandel ferner
bei der Arbitrage in internationalen Werten (siehe S. 513 ff.) und
beim Handel derjenigen Valuten, deren Kurse größeren Schwankungen
unterworfen sind. Kassa- und Termingeschäft lassen sich nicht von
einander trennen. Ein Bedürfnis für den Terminhandel besteht dann, wenn
es t e ch n i s ch unmöglich ist, nur „per Kasse" Geschäfte abzuschließen. Kasse-
ohne Termingeschäft ist technisch vielfach undurchführbar. Jedesdieser
Geschäfte will das Vorhandensein der anderen Ge
schäft s a r t, braucht zur technischen Abwicklung den gesamten Apparat
der Börse.
Gegner des Terminhandels machen keinen Unterschied zwischen der
berufsmäßigen Spekulation, „die sich ausschließlich der Ab
schätzung der Preisentwicklung widmet und dadurch mehr oder bessere
Erkenntnis der Zukunft produziert als ohne diese Arbeitsteilung möglich
wäre" (Adolf Weber), und der Jobberei von Leuten, denen jegliche Sach-
kenntnis abgeht, die nur aus Gewinnsucht handeln und sich mühelos be
reichern wollen. Spekulation und Spiel sind grundverschieden. Nicht
unerwähnt darf freilich bleiben, daß die berufsmäßige Spekulation öfter/
anstatt preisausgleichend zu wirken und dadurch das Publikum vor Ver
lusten zu schützen, ihre Kundschaft zum Börsenspicl, das moralisch ver
werflich ist, verleitet und Kursänderungen künstlich herbeigeführt hat, 111,1