$ 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 3
Kupfermünzen in Goldmünzen einzulösen. So lange eine solche Ein-
lösung effektiv durchgeführt wird, kann der Verkehr kaum mit einer
zu großen Menge von Kleinmünzen belastet werden. Wenn unter dieser
Voraussetzung Kleinmünzen in hinreichender Menge geprägt und dem
Verkehr zur Verfügung gestellt werden, wird die Menge der tatsächlich
zirkulierenden Kleinmünzen immer dem Bedürfnisse des Verkehrs an-
gepaßt sein.
Die Einlösung der unterwertigen Kleinmünzen ist also die unmittel-
bare Bedingung für die Aufrechterhaltung der Gleichwertigkeit dieser
Münzen mit den Hauptmünzen. Ein Geld, das nur dadurch im Werte
erhalten wird, daß der Staat sich verpflichtet, es in ein Vollwertiges
Geld einzulösen, hat offenbar den Charakter eines Kreditgeldes, Der
Wert eines solchen Geldes wird schließlich immer von der Fähigkeit
und vom Willen des Staates seine Einlösungsverpflichtung zu erfüllen
abhängen.
Die Münzgesetzgebung hat daraus den Schluß gezogen, daß einem
solchen unterwertigen Kleingeld nur in beschränktem Maße gesetzliche
Zahlungskraft gegeben werden darf. So bestimmte das deutsche Münz-
gesetz, daß niemand verpflichtet ist, Reichssilbermünzen im Betrage von
mehr als zwanzig Mark und Nickel- und Kupfermünzen im Betrage
von mehr als einer Mark in Zahlung zu nehmen. Unterwertige, in einer
Hauptmünze einlösbare Münzen mit beschränkter Zahlungskraft be-
zeichnet man als Scheidemünzen. Im Gegensatz dazu werden
die Hauptmünzen mit unbeschränkter gesetzlicher Zahlungskraft
Kurantmünzen genannt. Solange der Staat die etwa überschüssigen
Scheidemünzen effektiv einlöst, hat die Beschränkung der gesetzlichen
Zahlungskraft der Scheidemünzen wohl nur die Bedeutung, es dem
Zahlungsempfänger zu ermöglichen, allzu unbequeme Zahlungsmittel
abzuweisen.
Betrachten wir schließlich das Problem der einheitlichen Währung
für den Fall, daß Münzen von zwei verschiedenen Münzmetallen neben-
einander zirkulieren.
Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber ist im Laufe der
detzten Jahrhunderte bedeutenden Schwankungen unterworfen gewesen.
Im großen zeigt die Entwicklung seit dem Beginn des sechzehnten Jahr-
hunderts ein erhebliches Steigen dieses Wertverhältnisses, nämlich von
etwa elf im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts auf etwa fünfzehn-
einhalb in den drei ersten Vierteln des neunzehnten Jahrhunderts und
etwa vierunddreißig am Ende des Jahrhunderts, Diese Steigerung ist
aber keine ganz ununterbrochene gewesen. In gewissen Perioden, so in
der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts sowie in den fünfziger Jahren
des neunzehnten, ist das Wertverhältnis zwischen ‘Gold und Silber
etwas gesunken.
Cassel, Theoret, Sozialökonomie. 4. Aufl,
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