$ 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 5
Wertverhältnis zwischen Gold und Silber im offenen Markte ausübt,
Denn die Doppelwährung eröffnet dem im Werte sinkenden Metall eine
große monetäre Verwendung, steigert also die Nachfrage nach diesem
Metall. und wirkt seiner Wertverminderung entgegen. Die Stärke
dieser Gegenwirkung hängt offenbar von der Bedeutung des Landes, in
welchem die Doppelwährung besteht, ab, sowie auch allgemeiner vom
Verhältnis zwischen der monetären und der industriellen Nachfrage nach
dem betreffenden Metall. Mit diesen Fragen haben wir hier nichts zu
tun. In diesem Zusammenhange genügt es, festzustellen, daß, wenn
das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber auf dem offenen Markte
verändert wird, die Doppelwährung eine von ihren beiden Geldsorten
verliert.
Daß mit dem Verlust des Goldgeldes oder des Silbergeldes Nachteile
verbunden sind, die in schweren Fällen geradezu unerträglich
werden können, ist leicht zu verstehen. Für den größeren Verkehr ist
es unbequem das Goldgeld entbehren zu müssen, wenn sich einmal
ein solches Geld im Verkehr eingebürgert hat. Noch empfindlicher
ist der Verlust des Silbergeldes, das für kleine Zahlungen schwerlich
ersetzt werden kann. Es ist deshalb nur natürlich, wenn große Anstrengungen
gemacht worden sind, um das Stadium der Doppelwährung
zu überwinden.
Die Lösung des Problems, zu welcher die geschichtliche Entwicklung
geführt hat, besteht darin, daß nur Goldmünzen als Hauptmünzen
mit unbeschränkter Zahlungskraft und mit freier Prägung ausgeprägt
werden, während die Silbermünzen zu Scheidemünzen mit dem Staate
vorbehaltener Prägung degradiert werden. Diese Scheidemünzen
müssen so unterwertig geprägt werden, daß ihr Verschwinden aus
der Zirkulation bei steigendem Silberpreis nicht zu befürchten ist. Die
Gesetzgebung hat sich mit einer Unterwertigkeit von einigen wenigen
Prozenten begnügt. Dieser vielleicht etwas knappe Spielraum ist indessen
später durch den gewaltigen Preisfall, den das Silber seit den
siebziger Jahren erfahren hat, erheblich erweitert worden. Der Metallwert
der Silbermünzen betrug vor dem Kriege meistens nicht die Hälfte
des Münzwerts.,
Eine einheitliche Währung, bei welcher nur Goldmünzen unbeschränkte
gesetzliche Zahlungskraft haben, und bei welcher freies
Prägerecht für Gold und freies Schmelzungsrecht für Goldmünzen
besteht, nennt man Goldwährung. Der Name darf nicht so aufgefaßt
werden, als ob Gold die Preiseinheit der Währung bildete. Die frühere
deutsche Goldwährung war eine Markwährung. Die Rechnungseinheit
war die Mark, die Preise wurden in Mark angegeben, die Zahlungen
in Mark geleistet. Die Markwährung, die an sich nur eine abstrakte
Rechnungsskala war, wurde aber dadurch näher fixiert, daß aus einem
Kilogramm Gold 279 Zehnmarkstücke ausgeprägt wurden, und daß
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