Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Die  M  e  ch  an  i  s  ieru  n  g  der  Banken  *)  wurde  in  Amerika  weit  früher
als  in  Deutschland  vorgenommen.  Einige  deutsche  Banken  schreiten  aber
in  dieser  Beziehung  bereits  an  der  Spitze.
8.  Das  Bankwesen  in  Frankreich.
Ein  lehrreiches  Beispiel  dafür,  daß  der  Staat  sich  nicht  in  Bankspeknlativnen
  einlassen  soll,  bietet  die  Bankgeschichte  Frankreichs.  Als
infolge  der  Verschwendung  Ludwigs  XIV.  und  des  Herzogs  Philipp  von
Orleans  das  Land  in  arge  finanzielle  Bedrängnis  gekommen  war,  erbot
sich  der  Schotte  I  o  h  n  L  a  w,  der  auf  seinen  Reisen  das  Banklvesen  verschiedener ­
  Länder  kennengelernt  hatte,  die  Finanzen  Frankreichs  zu
ordnen  und  die  Staatsschuld  zu  vermindern.  Der  Regent  ging  auf  den
Vorschlag  ein,  und  durch  Edikt  vom  Jahre  1716  erhielt  Law  die  Ermächtigung ­
  zur  Gründung  der  Banque  generale.  Ihr  Kapital
betrug  6  Millionen  Fr.,  eingeteilt  in  1200  Aktien  zu  5000  Fr.,  von
denen  l / 4  in  barem  Gelde  und  S U  in  den  damals  sehr  niedrig  stehenden
Staatsschuldscheinen  zu  erlegen  waren.  Die  Geschäfte  der  Bank  sollten  in
der  Hauptsache  in  der  Notenausgabe,  in  der  Diskontierung  von  Wechseln,
in  der  Annahme  von  Depositen  und  in  der  Zahlungsvermittlung  bestehen. ­
  Zahlreiche  spekulative  Geschäfte  und  der  enorme  Betrag  der  umlaufenden ­
  Noten,  für  die  genügende  Deckungsmittel  nicht  vorhanden
waren,  führten  bereits  nach  kurzer  Zeit  zum  Ruin  der  Bank  und  zur
Erschütterung  des  gesamten  Geld-  und  Kreditwesens  Frankreichs.
Wenige  Jahrzehnte  halten  genügt,  die  trüben  Erfahrungen  mit  der
Lawschen  Bank  vergessen  zu  machen.  1776  entstand  in  Paris  unter  dem
Namen  Caisse  d’escompte  eine  neue  Bank,  die  2 /a  des  aus
15  Millionen  Fr.  bestehenden  Kapitals  dem  Staat  leihen  sollte.  Dieses
Darlehen  machte  es  der  Bank  bereits  1783  unmöglich,  ihre  Noten  gegen
bar  einzulösen.  1787  wurden,  gleichzeitig  mit  der  Erhöhung  des  Kapitals
aus  100  Mill.,  an  die  Negierung  70  Mill.  Fr.  zur  Sicherung  des
Notenumlaufs,  der  sich  damals  auf  ea.  98  Mill.  belief,  gezahlt.  Die  Vorschüsse ­
  wurden  immer  größer:  1790  hatte  die  Bank  an  den  Staat  eine
Forderung  von  400  Mill.  Fr.  Als  die  Bank  nicht  mehr  in  der  Lage  war,
ihre  Verpflichtungen  zu  erfüllen,  wurde  sie  (August  1793)  aufgelöst.
')  S.  hierüber  meine  „Bankbuchhaltung"  a.  a.  O.  Stuttgart  1925.
            
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