X Der Kampf um Indonesiens Unabhängigkeit.
nesischen Nationalbewegung der Fall war, die für das Volk eine Teilnahme
an der Verwaltung des Landes mittels eines Parlamentes verlangten.
Gegen das Ende der Kriegsjahre zeigte sich in ganz Europa das Ge-
spenst der Revolution. Auch Holland drohte eine sozialistische Revolution.
Und die Kolonialregierung beurteilte es als weise, den gemäßigten Forde-
rungen der indonesischen Nationalbewegung nachzugeben. Der General-
gouverneur, van Limburg-Stirum, war der Wortführer der Regierung. Er
gab 1918 in ihrem Namen das berühmte Versprechen ab, das ein Programm
politischer Reformen in sich schloß. Das indonesische Volk glaubte an den
guten Willen der Herrschenden. Es glaubte auch an die Verwirklichung des
modernen Evangeliums Wilsons über das Selbstbestimmungsrecht der
Völker. Aber der Glaube eines unterdrückten Volkes ist ein kindlicher und
paßt schlecht in den Rahmen der modernen Politik. Weit davon entfernt,
das zu erfüllen, was man feierlich versprochen hatte, schuf man ein neues
Kolonialregime mit stark reaktionären Tendenzen. Dem liberalen General-
gouverneur van Limburg-Stirum: folgte Herr Fock, ein Symbol der des-
potischen Autorität. Während seiner Regierungszeit von 1921—1926
herrschte bei uns der vollständige Terror.
Hierauf erfolgte ein Zusammenstoß zwischen der Regierung und dem
Volk, das im übrigen durch einen Rassenunterschied gegenüber dem Inhaber
der Macht getrennt war. Im indonesischen Volke herrschte der unbezähm-
bare Drang nach einem freien Vaterlande, und es gibt keine Kraft, die stark
genug wäre, um diesen Drang zu zerstören. Das Volk, Opfer seiner Leicht-
gläubigkeit, brachte gegen die Herrschenden ein absolutes Mißtrauen zum
Ausdruck. So begann die Periode der Politik der „non-cooperation‘“. Von
nun an versuchte das indonesische Volk sein Ziel zu verwirklichen, indem
es sich auf eigene Mittel stützte. Da die Regierung in dieser Haltung eine
Gefahr für ihr Prestige sah, bekämpfte sie sie durch den Terrorismus,
anstatt den Wünschen des Volkes nachzugeben. Der Terror der Regierung
stößt die nationale Bewegung mehr und mehr auf revolutionäre Wege,
Unter der Maske der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung wurde
die Aktion der Gewerkschaft der Zuckerarbeiter durch Aufhebung des Ver-
sammlungsrechtes in den politischen industriellen Zentren sabotiert.
Als die Gewerkschaft der Eisenbahner drohte, zur Unterstützung der
Forderungen der Zuckerarbeiter den Streik zu erklären, wurde der Haupt-
führer der Eisenbahner nach dem Artikel des Strafgesetzes wegen „Auf-
forderung zum Aufruhr“, in Anbetracht der Aufforderung zum Streik, ver-
haftet.
Inzwischen machte sich die Gesetzesmaschine der Regierung an die
Arbeit und schuf den berüchtigten Artikel 161 des Strafgesetzes, der ein-
fach jeden Streik verbietet. So verblieb der Bevölkerung keine Möglichkeit,
sich politisch oder wirtschaftlich zu organisieren.
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