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Die Definition der Börse als „Markt für vertretbare Tauschgüter"
hat den Vorzug der Kürze, ist aber nicht erschöpfend. Richard Ehrenberg
definiert: „Börse ist jede in kurzen Zeitabständen, meist täglich wiederkehrende
Versammlung von Kaufleuten und anderen beim Handel beteiligten
Personen zum Zwecke des Abschlusses von Handelsgeschäften
ohne gleichzeitige Vorzeigung, Übergabe und Bezahlung der Ware."
Die Definition, die von der Enquete-Kommission vorgeschlagen, ins Gesetz
jedoch, weil die Definition des Begriffes Börse kaum erschöpfend gegeben werden
könne, nicht aufgenommen worden ist, lautete: „Die Börse ist eine durch den
Staat genehmigte und unter Staatsaufsicht stehende Veranstaltung von Gemeinden
oder Handelskorporationen zu dem Zwecke, den Handelsverkehr zu erleichtern
und die allgemeinen wirtschaftlichen Interessen zu fördern."
Das Wort „Börse" bezeichnet einmal den Ort der Versammlung s„ich
gehe zur Börse"), weiter wird es in dem Sinne von „Börsen b e s u ch e r"
angewendet — inan spricht von Haltung, Stimmung, Tendenz der Börse
usw. —, schließlich ist eine Zeitbestimmung damit verknüpft s„Vorbörse",
„Nachbörse" und „Abendbörse").
r. Börsen bis zur Begründung der Ästindischen Kompagnie (J602).
Börsen, d. h. Orte, an denen vertretbare Gegen st ände gehandelt
wurden, soll es bereits bei den alten Babyloniern, Ägyptern
und Phöniziern gegeben haben. Ob die Versammlungen der
alten römischen Bankiers sargsutarii) auf dem Forum, die collegia
mercatorum, die Bezeichnung als „R ö m i s ch e B ö r s e", die
M o m m s e n ihnen gibt, wirklich verdienen, wird viel bestritten.
Der Art ihrer Entstehung nach teilt R. E h r e n b e r g die Börsen in zwei
Klassen. In den Plätzen mit erheblichem Eigenhandel, besonders in
den Handelsstädten Italiens, sind sie aus dem Verkehr, der sich bei den Banken
der einheimischen Wechsler entwickelte, hervorgegangen. In den Plätzen ohne
erheblichen Eigenhandel, wo sich der Wechselverkehr naturgemäß im
engsten Anschluß an die Faktoreien der Italiener entwickelte, waren die Umgebung
dieser Faktoreien und die Straßen, wo die Besitzer ihre Kaufhäuser
oder ihre Loggien besaßen, die Örtlichkeiten, an denen zuerst ein Börsenverkehr
entstanden ist.
Im Mittelalter hat die Börse hauptsächlich dem Verkehr in
Wechselbriefen gedient. Berühmtheit erlangten die Börsen auf dem
Rialto und dem Marcus-Platz in Venedig sowie die Börsen auf dem
Mercato nuovo in Florenz.