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5. Die New Yorker BörseZ.
Eine Börse besteht in New Jork seit 1792. Unter dem Namen „New
York Stock and Exchange Board“ wurde 1817 eine nach dem Muster
ver Börse in Philadelphia organisierte Gesellschast gegründet. Sie be
zweckt, „ihren Mitgliedern die zum bequemen Geschäftsabschluß erforder
lichen Räumlichkeiten und Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, ein
erhöhtes Standesbewußtsein von kaufmännischer Ehre und Redlichkeit
unter ihnen zu erhalten und die für die Abwicklung der Geschäfte er
forderlichen Bedingungen festzusetzen".
Der New Iorker Markt gliedert sich in mehrere Einzelbörsen, deren
wichtigste die „Stock Exchange“, Fondsbörse oder Wallstreet, ist, so be
nannt wegen ihrer früheren Lage in der Straße dieses Namens; jetzt be
sitzt sie nur noch einen Nebeneingang von der Wallstreet aus.
Wie die Londoner, so ist auch die New Jorker Börse eine klubähnliche
Vereinigung, eine Privat-Organisation, die keiner staatlichen Kontrolle
unterliegt. Sie wird geleitet von einem „Ooverning Committee“, das
aus einem Präsidenten, einem Schatzmeister und 40 Mitgliedern besteht.
Die Zahl der Mitglieder ist seit 45 Jahren auf 1100 beschränkt sein
kürzlich gestellter Antrag des Börsenvorstandes, ihre Zahl um 25 zu ver-
mehren, wurde abgelehnt); daher ist der Preis für einen „ssat“ sSitz)
exorbitant hoch: Ende 1926 sind dafür 170 000—180 000 $ bezahlt
worden. Dazu tritt noch ein Eintrittsgeld von 2000 $, ein Jahres
beitrag von 100 $ plus 10 S für den Unterstützungsfonds und 10 $ Um
lage beim Tode eines Mitgliedes, dessen Familie dadurch eine Lebens
versicherung in Höhe von 11 000 $ gewährleistet ist. Im Gegensatz zur
Londoner Börse ist die Mitgliedschaft eine dauernde.
Von den 1100 Mitgliedern geht nur ein kleiner Teil persönlich zur
Börse; die meisten entsenden ihre.Angestellten, von denen etwa 14 000 die
New Iorker Börse besuchen. Die Mitgliedschaft der Stock Exchange
wird von Bankfirmen und einer Anzahl Spekulanten nur erworben, um
ermäßigte Courtage zu erhalten.
x ) Literatur: Sereno S. Pratt, The Work of WaU Street. New
Dorf 1903. K. v o n Reibnitz, Die New Dörfer Fondsbörse. Jena 1912.
H. v. G o ß l e r , Der Mechanismus des Börsengeschäfts in N e w D o r f in
Heft 8 II. Jahrg. der „Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis"'.