Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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11,2.  Die  Arbeitslosigkeit

Hüt  den  Schlußergebnissen  unserer  Betrachtungen  sind  wir  zugleich ­
  wieder  an  ihrem  Ausgangspunkt  angelangt,  nämlich  bei  der
Erkenntnis  des  engen  Zusammenhangs,  der  zwischen  dem  Zustandekommen ­
  der  Arbeitslosigkeit  und  der  Freiheit  des  Arbeitsverhältnisses, ­
  überhaupt  den  wirtschaftlichen  Freiheitsrechten  in  der  heutigen ­
  Wirtschaftsordnung  besteht.  Dieses  Resultat  ist  nun  aber  überhaupt ­
  fast  auf  alle  Erscheinungen  auszudehnen  und  zu  verallgemeinern, ­
  die  uns  im  heutigen  Wirtschaftsleben  mißfallen,  und  die
wir  als  soziale  Übelstände  empfinden.  Sie  alle  sind  in  letzter  Linie
als  Folgeerscheinungen  der  weitgehenden  Freiheit  aufzufassen,  welche
die  geltende  Wirtschaftsordnung  ihren  Bürgern  gewährt.  Auf  den
Zusammenhang,  der  zwischen  der  Bewegung  der  Lohnsätze  und  der
Freiheit  des  Konsums  sowie  der  Freiheit  der  Arbeit  besteht,  wurde
bereits  hingewiesen.  Nehmen  wir  als  weiteres  Beispiel  den  empfindlichen ­
  Mangel  an  Wohnungen,  der  von  Zeit  zu  Zeit  in
den  modernen  Großstädten  einzutreten  pflegt,  wie  oft  sind  der  großstädtischen ­
  Wohnungsproduktion  nicht  schon  leidenschaftliche  vorwürfe ­
  gemacht  worden,  daß  sie  es  nicht  verstehe,  sich  der  Bewegung
des  Wohnungsbedarfs  rechtzeitig  anzupassen  und  diesem  immer  einen
Vorrat  von  etwa  3  o/o  leerstehender  Wohnungen  zur  Verfügung  zu
stellen,  bei  dem  der  Wohnungsmarkt  gerade  die  rechte  Mitte  zwischen ­
  Wohnungsüberfluß  und  Wohnungsmangel  zeige!  Woher  kommt
es  nun  aber,  daß  im  Leben  dieser  ideale  Zustand  auf  dem  Wohnungsmarkt
  nur  relativ  selten  verwirklicht  ist  und  der  Wohnungsvorrat
oft  außerordentlich  rasch  von  einem  Extrem  ins  andere,  von  Wohnungsmangel ­
  in  Wohnungsüberfluß  und  dann  wieder  umgekehrt
verfällt?
Diese  Verhältnisse  sind  in  letzter  Linie  die  Folge  der  vollständigen
Bewegungsfreiheit,  deren  sich  die  Bevölkerung  heute  erfreut,  und
die  oft  zu  außerordentlich  starken  Schwankungen  in  der  Größe  der
Wohnungsnachfrage  in  kurzer  Zeit  führt.  Namentlich  in  Städten,  in
Zufriedenheit,  durch  die  eine  allgemeine  Arbeitsunlust  noch  mehr  verstärkt
wird."  (l.  Morgenblatt  vom  5.  März  1919.)
            
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