Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Freizügigkeit  und  Wohnungsnot

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deren  Erwerbsleben  die  Industrie  die  erste  Rolle  spielt,  nehmen  die
Schwankungen  auf  diesem  Gebiete  sehr  große  Dimensionen  an.  In
Seiten  des  industriellen  Rufschwungs  setzt  in  solchen  cvrten  ein  ungestümer ­
  Mehrzuzug  zur  Stadt  ein,  und  zwar  ein  Zuzug,  der  nicht
vorher  angemeldet  zu  werden  braucht-und  dessen  Größe  von  den
Lauunternehmern  in  ihre  Berechnungen  und  Überlegungen  daher ­
  nur  schwer  richtig  einzustellen  ist.  Sobald  dann  aber  die  Hochkonjunktur ­
  in  der  Industrie  nachläßt,  hört  auch  die  stürmische  Zuwanderung ­
  auf,  und  in  Zeiten  wirtschaftlicher  Depression  wird  aus
dem  Mehrzuzug  oft  sogar  ein  Mehrabzug.  In  der  Wirtschaftskrisis
der  Jahre  1901/02  war  ein  solcher  in  einer  ganzen  Reihe  von  deutschen ­
  Städten  zu  beobachten.  Chemnitz  in  Sachsen  z.  B.  hatte  von
1897  bis  1900  jährlich  eine  durchschnittliche  Mehrzuwanderung  von
Mehr  als  2000  Personen,  1901  dagegen  war  aus  dem  Mehrzuzug
ein  Mehrabzug  von  rund  1600  Menschen  geworden.  Der  Sitz  der
Betriebe  von  Krupp,  die  Stadt  Essen,  hatte  von  1897  bis  1901  einen
Mehrzuzug,  der  zwischen  2600  und  5500  Personen  jährlich  schwankte,
1902  dagegen  hatte  Essen  eine  Mehrabwanderung  von  über  7000
Und  auch  1903  immer  noch  eine  solche  von  2500  Personen.  Ähnlich
lagen  die  Verhältnisse  auch  in  Duisburg,  Halle  a.  S.,  Mannheim  und
anderen  Städten.  Mannheim  hatte  1900  einen  Mehrzuzug  von  8200
Personen,  1901  war  er  schon  gesunken  auf  4300  Personen,  und
1902  war  der  Mehrzuzug  in  einen  Mehrabzug  von  2655  umgeschlagen. ­
  Dementsprechend  schnellte  der  Wohnungsvorrat  in  Mannheim, ­
  der  in  der  Zeit  des  guten  Geschäftsgangs  in  der  Industrie,  vor
1900,  allmählich  bis  auf  l,4«/o  zusammengeschrumpft  war,  1901  sofort ­
  wieder  in  die  höhe  und  stellte  sich  in  diesem  Jahre  bereits  auf
5,12  und  im  folgenden  sogar  auf  6Vt°/o!  Dabei  ist  noch  zu  berücksichtigen, ­
  daß  in  vepressionszeiten  auch  die  Zahl  der  Eheschließungen
gewöhnlich  stark  zurückgeht,  wodurch  der  jährliche  wohnungsbedarf
in  diesen  Zeiten  noch  weiter  vermindert  wird.
Sobald  man  sich  diese  Verhältnisse  etwa;  näher  vergegenwärtigt,
wird  man  nicht  mehr  so  schnell  mit  dem  Vorwurfe  gegen  die  private
            
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