Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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11,2. Die Arbeitslosigkeit 
formuliert hat: „Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichheit und Frei 
heit zugleich versprechen, sind entweder Phantasten oder Lharlatane." 
Über doch beruhen die Erfolge des modernen Sozialismus zum 
großen Teil darauf, daß er vor der Seele seiner Anhänger das Bild 
eines Zukunftsstaates hat entstehen lassen, in dem das heute geltende 
Maß von wirtschaftlicher Bewegungsfreiheit mit einer Einkommens 
verteilung, die nur den Wert der geleisteten Arbeit als Maßstab gel 
ten läßt, vereinigt ist. Auf dem Papier ist es ja immer leicht, Ge 
sellschaftsordnungen zu entwerfen, in denen die Elemente entge 
gengesetzter sozialer Systeme zu neuen Gebilden kombiniert werden 
— es fragt sich nur, ob die Wirklichkeit den Erfindern dieser sozialen 
Luftschlösser den Gefallen tun wird, sich nach ihren Phantasien zu 
richten. Wer auch nur eine Spur von soziologischer Einsicht in 
die notwendigen Ronsequenzen der verschiedenen sozialen Systeme 
besitzt, der weiß, daß der Sozialismus hier unerfüllbaren Traum 
bildern nachjagt. Das Problem, eine sozialistische Gesellschaftsord 
nung zu ersinnen, bei der das heutige Maß von wirtschaftlicher 
Freiheit, insbesondere die Freiheit des Konsums und die der Ar 
beit, aufrechterhalten bleibt, ist prinzipiell unlösbar. Es ist ebenso 
unlösbar, wie das Problem der Konstruktion eines Perpetuum mo 
bile in der Mechanik ein unlösbares Problem geblieben ist. „Es 
erscheint hart, aber das Leben ist so hart, uns zu zwingen, überall 
Nachteile mit Vorteilen in den Kauf nehmen zu müssen. Sn der 
heutigen freien Wirtschaftsordnung haben wir die Freiheit der Be 
darfsdeckung, mit ihren schädlichen Folgen müssen wir uns abzu 
sinken suchen, Sn der sozialistischen wird uns die Sicherheit und 
Regelmäßigkeit des Linkommenbezugs versprochen, dafür müssen wir 
es uns gefallen lassen, wie Mönche und Soldaten behandelt 
zu werden."?') 
Manchmal dämmert natürlich auch den Sozialisten die Erkenntnis, 
daß in der fehlenden wirtschaftlichen Freiheit der schwache Punkt 
ihres Gesellschaftsideals liegt. Sie suchen dann aber die Sache mög- 
27) tv. ksasbach, Moderne vcmokratle, S. 372.
	        
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