Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Wirtschaftskrisen  und  Produktionsfähigkeit

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gemachte  Herrschaft  des  Rentabilitätsprinzips  bedeutet  also  durchaus
keinen  verstoß  gegen  die  Grundsätze  der  Wirtschaftlichkeit,  sondern
gerade  umgekehrt  ihre  Erfüllung.
Die  vierte  Erscheinung  endlich,  auf  die  sich  der  Sozialismus  bei
der  Behauptung  von  der  wirtschaftlichen  Überlegenheit  seines  Gesellschaftssystems ­
  beruft,  ist  das  periodische  Ruftreten  von
allgemeinen  Wirtschaftskrisen.  Die  Wirtschaftskrisen  liefern ­
  dem  Sozialismus  nicht  nur  insofern  einen  Rngriffspunkt  gegen
die  bestehende  Wirtschaftsordnung,  als  im  Zusammenhang  mit  ihnen
regelmäßig  eine  Zunahme  der  Rrbeitslosenziffer,  ein  Anschwellen
der  industriellen  Reservearmee  eintritt,  sondern  er  sieht  in  der
periodischen  Wiederkehr  von  Wirtschaftskrisen  zugleich  den  Beweis
für  das  Vorhandensein  eines  Mißverhältnisses  zwischen  Produktionsfähigkeit ­
  und  Raufkraft  in  der  modernen  Volkswirtschaft.  Die  Krisen ­
  kommen  nach  der  von  den  Sozialisten  zumeist  vertretenen  Ruffassung ­
  dadurch  zustande,  daß  die  große  Masse  der  Bevölkerung  infolge
der  niedrigen  Löhne,  die  sie  erhält,  außerstande  sei,  das  ganze  Produkt ­
  der  nationalen  Rrbeit  mit  ihren  Löhnen  zurückzukaufen.  Rus
dieser  Situation  müßten  sich  von  Zeit  zu  Zeit  unvermeidlich  Rbsatzstockungen
  ergeben,  und  die  allgemeinen  Krisen  seien  eben  nichts  anderes ­
  als  aus  dem  Mißverhältnis  zwischen  der  Produktionskraft
der  Gesellschaft  und  ihrer  Kaufkraft  entsprungene  akute  Störungen
des  normalen  wirtschaftsverlaufs.
Diese  Krisenauffassung,  zu  der  sich  der  Sozialismus  zumeist  bekennt, ­
  —  die  sog.  Unterkonsumtionstheorie  —  hat  auch  in  nichtsozialistischen
  Kreisen  vielfach  Anhänger  gefunden.  Vas  hat  ohne
Zweifel  das  ausgesprochen  politisch-moralische  Element  bewirkt,  das
dieser  Theorie  beigemischt  ist.  Sie  läßt  das  Ruftreten  von  Krisen
gewissermaßen  als  eine  Strafe  dafür  erscheinen,  daß  die  heutig«
Wirtschaftsordnung  dem  Arbeiter  nicht  das  an  Lohn  gibt,  was  ihm
von  Rechts  wegen  gebührt  und  was  er  beanspruchen  kann.  Zwischen
den  Einrichtungen  unserer  Wirtschaftsordnung  und  dem  Ruftreten
von  Wirtschaftskrisen  besteht  gleichsam  das  Verhältnis  von  Schuld
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