Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Beamtenverwaltung  und  Aktiengesellschaft

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privaten,  und  zwar  auch  der  in  Aktienform  betriebenen,  erheblich
zurücksteht,  so  gilt  das  gleiche  aber  auch  noch  in  einem  anderen
wichtigen  Punkte.  Bei  der  öffentlichen  Unternehmung  ist  es  kaum
möglich,  das  Selbstinteresse  des  Betriebsleiters  an  dem
Gange  des  Geschäfts  so  stark  zu  machen  und  so  in  den  Dienst  des  Unternehmens ­
  zu  stellen  wie  bei  den  privaten,  hier  wird  es  besonders ­
  deutlich,  wie  verkehrt  es  ist,  wenn  man  bei  der  Aktiengesellschaft ­
  in  gleicher  Weise  wie  bei  öffentlichen  Betrieben  von  einer
Beamtenverwaltung  spricht.  Die  Stellung  des  Angestellten  einer
Aktiengesellschaft  ist  eine  ganz  andere  als  die  eines  Angestellten  des
Staats.  Der  Staatsbeamte,  so  läßt  sich  das  wesentliche  des  Unterschieds ­
  kurz  ausdrücken,  ist  unkündbar,  und  er  bezieht  ein  festes,
regelmäßig  steigendes  Gehalt.  Der  Angestellte  einer  Aktienunternehmung ­
  dagegen  wird  nur  auf  Kündigung  angestellt,  sein  Gehalt
richtet  sich  nach  seiner  Leistung,  und  seine  Einnahmen  hängen  wesentlich ­
  von  den  geschäftlichen  Erfolgen  ab,  die  er  erzielt.
vor  allem  wichtig  ist  hierbei,  daß  dem  öffentlichen  Betrieb  nach
deutschem  Staatsrecht  gewöhnlich  das  scharfe  Mittel  fehlt,  auf  dessen
Anwendung  die  Leistungsfähigkeit  so  vieler  werke  der  Privatindustrie ­
  in  letzter  Linie  beruht,  nämlich  die  Möglichkeit,  die  leitenden ­
  Beamten  zu  entlassen.  Die  Kündbarkeit  der  Direktoren  ist  für
den  Erfolg  von  Aktiengesellschaften  viel  bedeutsamer  als  der  Ausbau ­
  der  Kontrolleinrichtungen.  Am  Erfolg  ihrer  Tätigkeit  kontrolliert ­
  eine  Aktiengesellschaft  ihre  Direktoren,  hat  man  treffend  gesagt, ­
  und  will  sich  der  gewünschte  Erfolg  nicht  einstellen,  dann
wechselt  sie  eben  das  leitende  Personal.
Das  geringere  Interesse,  das  der  Staatsbeamte,  der  ein  industrielles ­
  werk  zu  leiten  hat,  am  geschäftlichen  Erfolg  desselben  hat,
setzt  sich  aber  ganz  naturgemäß  in  höhere  Produktionskosten  um.
Die  durchschnittliche  Arbeitsleistung  der  beschäftigten  Arbeiter  wird
nicht  auf  demselben  Stande  wie  in  Privatbetrieben  sich  bewegen^
die  Ausnutzung  der  verwendeten  Roh-  und  Hilfsstoffe  wird  eine  geringere ­
  sein,  die  ganze  Organisation  wird  nicht  eine  so  straffe  sein.
            
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