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1,2. Lrwerbswirtschaft und Konsumgenossenschaft
Die Entfaltung derkonsumgenossenschaftlichen Produktionsweise bei
der Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses ist also teilweise ein
künstliches Gewächs. Ähnlich steht es bei manchen Zweigen des klein-
gewerblichen Genossenschaftswesens, die ja ebenfalls unter den Be
griff der konsumgenossenschaftlichen Produktionsweise im weiteren
Sinne des Worts gebracht werden können, auf deren Entwicklung hier
aber nicht im einzelnen eingegangen werden soll.
Bus das erneute Vordringen der konsumgenossenschaftlichen Pro
duktionsweise in der Gegenwart sind nun von manchen Seiten, und
zwar teilweise auch von Vertretern der Wissenschaft, schon die kühn
sten Hoffnungen gesetzt worden. Die klonsumvereine sollen, so hofft
man, der archimedische Punkt werden, von dem aus es gelingt, die
gegenwärtige Produktionsweise aus den Angeln zu heben. Man er
blickt in manchen Lagern in den Konsumvereinen so etwas wie
apokalyptische Reiter, die den Untergang der sündigen kapitalisti
schen Welt ankündigen. Durch ihre Ausbreitung soll der Kapitalis
mus von innen heraus ausgehöhlt werden. Auf friedlichem Wege
und ohne allzu merkbare Veränderungen werde man mit ihrer Hilfe
in eine Art sozialistischer Organisation hineingelangen.
Gegen eine solche Entwicklung wäre nun an sich kaum etwas ein
zuwenden, allein, so müssen wir fragen, berechtigt die bisherige
Ausdehnung der konsumgenossenschaftlichen Produktionsweise wirk
lich zu solchen Erwartungen? Wenn man den richtigen Maßstab
zur Beurteilung der Bedeutung der konsumgenossenschaftlichen Pro
duktionsweise im Wirtschaftsleben der Gegenwart gewinnen will,
so darf man nicht die großen Mitgliederzahlen der Konsumvereine
aufmarschieren lassen, sondern man muß ermitteln, welchen Bruch
teil von der Gesamtzahl der gewerbtätigen Personen eines Landes
die in Konsumvereinsbetrieben beschäftigten Personen ausmachen.
Legt man diesen Maßstab an, so kommt man für die volkswirtschaft
liche Bedeutung des Genossenschaftswesens zu einem außerordent
lich bescheidenen Ergebnis, von der Gesamtzahl der gewerbtätigen
Personen entfielen nach der gewerblichen Betriebszählung von 1895