Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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1,3.  Unternehmung  und  Produktivgenossenschaft

schaftslebens  im  aristokratischen  Sinne  war  zweifellos  eine  der  stärksten ­
  vorwärtstreibenden  Kräfte  der  politischen  Demokratie.
Nur  eine  Bemerkung  noch  zum  Schluß!
Die  Unternehmung  verdankt  ihre  Überlegenheit,  wie  gezeigt,  der
schärferen  Scheidung  zwischen  leitender  und  ausführender  Arbeit  und
der  besseren  Disziplin,  die  in  ihr  herrschen.  Selbstverständlich  ist
aber  bessere  Disziplin  nicht  etwa  gleichbedeutend  mit  hochfahrender
Behandlung  der  Lohnarbeiter.  Im  Gegenteil.  In  demjenigen  Betrieb
wird  die  bessere  Disziplin  herrschen,  in  dem  der  Unternehmer,  und  vor
allem  auch  seine  unteren  Angestellten,  es  verstehen,  ihre  Unordnungen ­
  zu  treffen,  ohne  in  den  Ton  des  kommandierenden  Unteroffiziers ­
  zu  verfallen.  Ohne  Zweifel  ist  bisher  auf  diesem  Gebiete
noch  viel  gesündigt  worden.  Zahlreiche  Streiks  sind  vor  dem  Kriege
ausgebrochen,  nicht  weil  die  Urbeiter  höheren  Lohn  oder  kürzere ­
  Arbeitszeit  haben  wollten,  diese  Forderungen  sind  vielmehr
oft  erst  nachträglich  erhoben  worden,  sondern  weil  die  Urbeiter  über
die  Behandlung,  die  ihnen  durch  den  Unternehmer  oder  noch  häufiger ­
  durch  Subalternbeamte  der  Unternehmung  zuteil  wurden,  erregt ­
  waren.  Fr.  W.  Foerster,  der  Vertreter  der  Pädagogik  an
der  Universität  München,  bemerkt  im  Hinblick  hierauf  durchaus  zutreffend ­
  iS),  daß  wir  für  das  moderne  Wirtschaftsleben  eine  Fabrikund
  Bureaupädagogik  brauchen,  eine  Unweisung,  die  Ungestellten
und  Urbeiter  richtig  zu  behandeln.  Diejenige  Aufgabe  des  Unternehmers, ­
  die  man  gewöhnlich  als  Betriebsleitung  bezeichnet,  besteht
ja  in  Wahrheit  zum  großen  Teil  in  Menschenleitung.  Für
diese  Aufgabe  ist  der  Unternehmer  oft  aber  nur  äußerst  mangelhaft ­
  vorbereitet,  wenn  er  nicht  schon  von  Natur  zufällig  für  sie
mit  den  nötigen  Anlagen  ausgestattet  ist.  Und  doch  stellt  die  Aufgabe,
einen  Großbetrieb  so  zu  leiten,  daß  nicht  zwischen  der  Arbeiterschaft
und  der  Werkleitung  unnötige  Reibungen  und  Differenzen  entstehen,
sehr  große  Anforderungen  an  den  Takt  und  die  Menschenkenntnis
des  Unternehmers  und  aller  Beamten  der  Unternehmung.  In  3u-13)

  politische  Ethik  und  politische  Pädagogik,  2.  stuft.,  S.  41.
            
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