Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Der  wissenschaftliche  Sozialismus

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führen  wollen.  Als  ob  der  Kommunismus  dadurch,  daß  man  ihm
ein  anderes  Etikett  aufklebt,  feine  Natur  veränderte!
So  stattlich  die  Zahl  der  Vertreter  des  kommunistischen  Gedankenkreises ­
  im  ly.  Jahrhundert  auch  noch  ist,  so  ist  die  kommunistische ­
  Richtung  in  diesem  Zeitraum  an  Bedeutung  und  Einfluß  auf
die  Massen  doch  weit  überflügelt  worden  durch  eine  andere  sozialistische
Richtung,  den  sogenannten  wissenschaftlichen  Sozialismus.
Oer  wissenschaftliche  Sozialismus  hat  zwar  ebenfalls  in  England
und  Frankreich  begonnen  —  aus  England  find  vor  allem  die  Namen
von  William  Thompson  und  Thomas  hodgskin  zu  nennen.,  aus
Frankreich  gehört  p.  proudhon  hierher,  der  später  allerdings
den  Übergang  zum  Anarchismus  vollzogen  hat  —,  seine  eigentliche
Heimat  und  seine  bedeutendsten  Vertreter  hat  er  aber  in  Deutschland ­
  gefunden.  Außer  Lassalle,  Marx  und  Engels,  durch  deren
Lehren  er  eine  parteibildende  Kraft  von  gewaltiger  Macht  geworden ­
  ist,  ist  als  Hauptvertreter  dieser  Richtung  noch  der  in  weiteren
Kreisen  weniger  bekannte  Karl  Rodbertus  zu  nennen.")
Oer  wissenschaftliche  Sozialismus  ist  in  erster  Linie  eine  wissenschaftlich-kritische ­
  Richtung.  Er  übt  Kritik  an  der  Einkommensverteilung ­
  in  der  heutigen  Wirtschaftsordnung,  und  zwar  vor  allem
an  der  Existenz  eines  umfangreichen  arbeitslosen  Einkommens.
Olles  arbeitslose  Einkommen  beruht  nach  ihm  auf  Ausbeu-14)
  Auf  die  Geschichte  des  Sozialismus  kann  hier  nicht  näher  eingegangen
werden.  Tinen  guten  Überblick  über  die  Entwicklung  des  älteren  Sozialismus ­
  bis  zur  französischen  Revolution  bietet  das  werk  von  Georg  Adler,
Geschichte  der  Sozialismus  und  Rommunismus  von  Platon  bis  zur  Gegenwart, ­
  4.  Teil,  Leipzig  18yd.  Für  die  neueste  Seit  ist  vor  allem  zu  nennen:
kV.  Sombart,  Sozialismus  und  soziale  Bewegung,  7.  Ausl.,  1919.  Zur
schnellen  Orientierung  sind  auch  gut  geeignet:  R.  Viehl,  Über  Sozialismus,
Kommunismus  und  Anarchismus.  Jena  1906;  w.  Ed.  Biermann,  Anarchismus ­
  und  Rommunismus.  Leipzig  1906;  w.  Sombart,  Grundlagen  und
Kritik  des  Sozialismus,  2  Bde.,  Berlin  1919.  Ein  ganz  vortreffliches  Buch,
das  insbesondere  zum  psychologischen  Verständnis  des  Sozialismus  vielfach
neue  Gesichtspunkte  bietet,  ist  endlich  noch  das  Werk  von  Zritz  G  erlich,
Der  Rommunismus  als  Lehre  vom  Tausendjährigen  Reich.  München  1920-
            
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