Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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!,  4.  ver  Sozialismus

erstaunlich  kurz.  Nach  Nebel  sollte  sogar  schon  eine  2Vsstündige
tägliche  Nrbeit  der  erwachsenen  männlichen  Bevölkerung  genügen,
um  die  notwendigsten  Bedürfnisse  aller  zu  decken!
Auffallend  ist  auch,  wie  wenig  die  moderne  Entwicklung  des  Wirtschaftslebens ­
  —  die  Entstehung  der  Weltwirtschaft  —  Einfluß  auf
den  Inhalt  der  kommunistischen  Literatur  gewonnen  hat.  Die  Tatsache, ­
  daß  das  Wirtschaftsleben  heute  in  Reichen  organisiert  ist,  die
viele  Millionen  von  Menschen  umfassen,  wird  von  einem  großen
Teil  der  Kommunisten  immer  noch  einfach  ignoriert,  wie  ein  solches ­
  Millionenreich  oder  gar  die  Weltwirtschaft  auf  kommunistischer
Basis  organisiert  werden  könnte,  dafür  einen  Weg  anzugeben,  das
geht  offenbar  über  ihr  vermögen.  Und  so  begnügen  sie  sich  damit, ­
  Bilder  von  kommunistischen  Gemeinwesen  zu  entwerfen,  die
sich  aus  sehr  kleinen  Gebieten  und  Bevölkerungszahlen  zusammensetzen, ­
  etwa  gar  nur  eine  Stadt  mit  dem  nächsten  Landbezirk  umfassen. ­
  wie  bei  diesem  Zustand  die  heutige  billige  industrielle  Technik, ­
  die  für  ihre  Massenproduktion  große  Marktgebiete  voraussetzt,
soll  beibehalten  werden  können,  bleibt  das  Geheimnis  des  Kommunismus.
  ver  Kommunismus  ist  eben  heute  noch  genau  so  wie  vor
Jahrhunderten  „Utopie",  d.  h.  er  vernachlässigt  die  realen  Bedingungen ­
  des  Wirtschaftslebens  und  der  menschlichen  Natur.  Dieses
seines  utopischen  Charakters  ist  sich  ein  großer  Teil  der  kommunistischen ­
  Literatur  auch  selbst  sehr  wohl  bewußt.  Die  häufige  wähl
der  Nomanform  für  die  kommunistische  Literatur,  die  Verlegung  des
Schauplatzes  der  geschilderten  kommunistischen  Gemeinwesen  entweder
an  unbekannte  Grte  oder  in  Zeiten,  die  von  der  Gegenwart  durch
Jahrhunderte  getrennt  sind,  das  alles  sind  deutliche  Bekenntnisse
der  Unfähigkeit  der  Kommunisten,  von  den  Verhältnissen  der  Gegenwart ­
  eine  Brücke  zu  schlagen  zu  den  Einrichtungen  ihres  Zukunftsstaats. ­
  Und  neuerdings  vermeiden  die  Kommunisten,  wenn  sie  eine
Schilderung  ihres  Zukunftsstaats  entwerfen,  überhaupt  ängstlich  das
Wort  „Kommunismus".  Sie  sprechen  dafür  schamhaft  nur  von  der
„Verwaltungswirtschaft"  oder  der  „Bedarfswirtschaft",  die  sie  ein-
            
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