Schmieröle.
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ß) Die Prüfung im offenen Tiegel (Fig. 352) wird nach den Vorschriften
der preußischen Staatshahnen in folgender Weise vorgenommen:
Das Öl wird in einen zylindrischen, glasierten Porzellantiegel a von 4 cm
Höhe und 4 cm lichter Weite bis auf 1 cm vom Rande gefüllt und der Tiegel in
eine halbkugelförmige Blechschale b von 18 cm Durchmesser gestellt, in welcher
sich eine Sandlage von 1,5 cm Höhe befindet. Der Tiegel wird auf den Sand ge
stellt. Nachdem ein Thermometer c so in das öl eingehängt ist, daß die Queck
silberkugel ganz von Öl umgeben wird, fängt man an, mit dem Bunsen-Brenner
zu erwärmen, und verfolgt die Temperatur-Steigerung, indem man von 100° an nur
langsam mit der Erhitzung vorangeht.
Von 100° oder von 120° an prüft man von 5 zu 5° und von 145° an von
Grad zu Grad mit einer etwa 10 mm langen Zündflamme das öl auf entzündbare
Gase, indem man die Zündflamme jedesmal 4 Sekunden über dem Tiegel hält und
von den entwickelten Dämpfen bestreichen läßt. Hierbei läßt man das Zündrohr g
so über den Rand der Blechschale gleiten, daß die Flamme langsam und gleichmäßig
in wagerechter Richtung Uber den Rand geführt und die vertikalstehende Flamme
2—3 mm von der Oberfläche entfernt bleibt 1 ). Die Erwärmung wird so lange
fortgesetzt, bis bei Annäherung des Flämmchens ein vorübergehendes Aufflammen
Uber der Öloberfläche oder eine durch einen schwachen Schall wahrnehmbare Ver
puffung eintritt.
b) Brennpunkt. Hierunter versteht man die Temperatur, bei der bei vorübergehender
Annäherung einer Flamme ein ruhiges Fortbrennen an der Oberfläche des Öles stattfindet.
„Die Bestimmung des Brennpunktes ist im allgemeinen bei Schmierölen neben der Flamm
punktbestimmung entbehrlich. Jedoch empfiehlt es sich, in besonderen Fällen, z. B. bei
auffallend niedrigem Flammpunkt und bei Fragen der Feuergefährlichkeit, auch den Brenn
punkt zu bestimmen.“ Man schließt die Bestimmung des Brennpunktes an die des Flamm
punktes im offenen Tiegel an (vergl. oben unter a ß).
„Die Bestimmung erfolgt in offenen, 4 cm weiten und 4 cm hohen Porzellantiegeln
auf flacher Sandbadschale. Die Tiegel sind zur Hälfte in Sand einzubetten. Das Erhitzen
soll stetig erfolgen und die Temperatursteigerung soll etwa 4° in der Minute, im äußersten
Falle 6° in der Minute betragen.“
c) Verdampfungsmenge. „Die Bestimmung der Verdampfungsmenge beim Erhitzen
der Öle im offenen Gefäß (Porzellantiegel) ist nur ausnahmsweise erforderlich, nämlich um
in besonderen Fällen die Verdampfbarkeit von solchen Ölen zu vergleichen, welche bei
Heißdampf- und Hochdruckmasohinen zu hocherhitzten Ölbädern und dergleichen Ver
wendung finden.“
„Die Bestimmung soll in 4 cm weiten und 4 cm hohen Porzellantiegeln erfolgen.
Die Tiegel sollen im Sandbad, zur Hälfte in dieses eingehüllt, auf die in Frage kommende
Temperatur erhitzt werden. Zu den Versuchen ist stets ein Vergleichsöl heranzuziehen
und die Erhitzung ist bei den Vergleichsversuchen gleich schnell (20 oder 30 Minuten) zu
bewirken. Es sind stets 2 Versuche auszuführen, aus deren Ergebnissen das Mittel zu
nehmen ist.“
D. Holde * 2 ) hat für die Bestimmung der Verdampfbarkeit besondere Apparate
herstellen lassen 3 ), auf die hier verwiesen sei.
*) Eine stets gleichartige Annäherung der Flamme wird durch den Apparat mit
mechanischer Flammenführung von Marcusson erreicht, der von den „Vereinigten Fabriken
für Laboratoriumsbedarf“ in Berlin hergestellt wird.
2 ) Mitteil, techu. Versuchsanstalten. Berlin 1902, 67.
3 ) Die Apparate werden von der Firma Paul Altmann in Berlin NW., Louisen
straße 47, geliefert.
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