Object: Die politische Ökonomie des Rentners

Die Höhe des Grenznutzens und die Gütermenge 0 
voraus”, — ein Phänomen, das so oder anders, jedenfalls aber 
einen ungeheuren Einfluß auf die Wertschätzung der Güter aus- 
üben muß. Eine noch größere Bedeutung kommt der Produktion 
zu, wenn wir von der Statik zur Dynamik übergehen. Es 
ist klar, daß die Österreichische Theorie, die von dem gegebe- 
nen Gütervorrat ausgeht, die elementarsten Erscheinungen der 
Wirtschaftsdynamik nicht zu erklären vermag, so z. B. nicht ein- 
mal die Bewegung der Preise, geschweige denn die komplizierten 
Erscheinungen. Damit hängt es natürlich zusammen, daß die Er- 
klärung, die Böhm in der Frage der Größe des Wertes gibt, so- 
fort weitere Fragen hervorruft. „Perlen und Diamanten sind eben 
in so geringer Menge vorhanden (!), daß das Bedürfnis nach 
ihnen nur zum geringen Teil gesättigt ist und der Grenznutzen, 
bis zu welchem die Befriedigung reicht, relativ hoch steht, wäh- 
rend glücklicherweise Brot und Eisen, Wasser und Luft in der 
Regel in so großen Mengen verfügbar sind, daß die Befriedigung 
aller wichtigeren auf sie angewiesenen Bedürfnisse sichergestellt 
ist?“ 
„Sind vorhanden!‘ „In der Regel verfügbar sind!‘ Was sagt 
aber Böhm-Bawerk zu den sogenannten „Preisrevolutionen“‘, 
da das Wachstum der Arbeitsproduktivität ein geradezu kata- 
strophales Sinken der Preise hervorruft? Hier geht es nicht mehr 
an; sich mit der Phrase „in der Regel verfügbar sind‘ zu be- 
gnügen. Der Leser merkt schon sicherlich, wie tendenziös Böhm 
seine Beispiele wählt. Statt eine Erklärung für den Wert der 
tvpischen Produkte, die Ware sind, zu geben, d. h. derjenigen 
Produkte, die den Stempel der Fabriksproduktion tragen, spricht 
er von Wasser und Luft. Schon beim „Brot‘“ zeigt es sich, wie 
unzureichend die Position des Herrn Professors ist: man braucht 
nur an das scharfe Sinken der Getreidepreise beim Eintritt der 
landwirtschaftlichen Krise zu denken, die in den 80er Jahren 
durch den überseeischen Wettbewerb hervorgerufen wurde. Der 
2% „Wir können schon feststellen, daß in den von Böhm-Bawerk gewählten 
Beispielen dasjenige Merkmal der Wirtschaft fehlt, welches für jede Wirt- 
schaft notwendig ist, nämlich die Tätigkeit des wirtschaftenden 
Subjekts... Ein Vorrat von Gütern ist nicht nur für den Menschen, son- 
dern auch für jedes lebende Wesen nur als Resultat einer gewissen Tätigkeit 
möglich“ (Alexander Schor: „Kritik der Grenznutzentheorie‘“, Conrads Jahr- 
bücher, Bd. 23, S. 248). Vgl. auch R. Stolzmann: „Der Zweck in der Volks- 
wirtschaft‘, S. 701: „Erst durch die Größe oder durch die Kleinheit der ge- 
gebenen Vorräte, d. h. schließlich der Produktivität der originären Urfaktoren, 
Boden und Arbeit... ergibt sich der Umfang des möglichen Angebots, ergibt 
Sich die Zahl der von jedem Gute hervorzubringenden Exemplare, damit 
aber erst die effektive Ausdehnung des möglichen Konsums.“ 
2? Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 32.
	        
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