426
Drittes Buch. Der Liberalismus.
Gesichtspunkt aus mit Freude. „Ein solcher Zustand“, „sagt er, ist
dem jetzigen bedeutend yorzuziehen.“ Warum nun? Weil er glaubt,
daß der Strom der menschlichen Energie deshalb noch nicht versiegen,
sondern nur sein Bett ändern und neue Felder befruchten wird.
An dem Tage, an dem die Menschen müde sein werden, den einzigen
Inhalt ihres Lebens darin zusehen, „den Dollar zu jagen und Dollar
jäger aufzuziehen“, werden sie Befriedigungen höherer Art suchen.
Mit einem Worte, er hofft, daß alles das, was für den wirtschaftlichen
Fortschritt verloren sein wird, für den moralischen Fortschritt Ge
winn bedeutet, und daß in diesem leisen Verklingen der jetzt so
leidenschaftlichen Wünsche das, was man die soziale Frage nennt,
gelöst, oder besser verschwunden sein wird *). Und auch .ich sehe
heute unter allen dargebotenen Gaben der Reformatoren noch nichts >
Besseres.
§ 3. Die Nachfolger Stuart Mill’s.
Der Einfluß Stuart Mill’s war universal, aber trotzdem hinter
ließ er keine wirklichen Schüler, vielleicht deshalb, weil die, die es
geworden sein könnten, wie z. B. Arnold Toynbee, sich der historisch
ethische Schule angeschlossen haben.
Die klassische Schule folgte ihm nicht in seinen sozialistischen 7
Tendenzen. Sie fuhr fort, die Lehren ihrer ersten Meister zu lehren,
— aber mit vermindertem Ansehen, und sie erzeugte keine W r erke
mehr, die denen gleichgestellt werden können, die wir eben studiert
haben. Es gibt jedoch einige, die, wenn sie auch nur zweiten
Ranges sind, ausgezeichnet genannt werden können. Wir weisen nur
auf die wichtigsten hin.
In England gehören dazu die Bücher von Cairnbs, besonders
Some Leading Principles of Political Economy, das 1874
erschien. Gewöhnlich stellt man Cairnes als einen Schüler Stuart
Mill’s hin: das ist jedoch ganz und gar verkehrt * 2 ). Er ist in jeder
Weise ein Klassiker, ebenso wohl durch die deduktive Methode, die er
die einzig mögliche nennt, und die er sogar übertreibt, als auch durch
') In einem der Briefe an Gustave d’ Biohthal, die vor kurzem veröffentlicht
worden sind, schreibt er, indem er von Auguste Comte spricht: „Was für ein un
geheuerlicher Irrtum liegt doch in dem Glauben, daß dieses Gesetz der Zivilisation
einen beständigen Fortschritt erheische! Warum nicht zugeben, daß im Maßstabe,
wie die Menschheit in gewissen Richtungen fortschreitet, sie in anderen Rückschritte
macht?“
2 ) Man kann ihn jedoch, soweit soziale Reformen in Betracht kommen, hin
sichtlich eines Punktes als von Stuart Miel beeinflußt ansehen: er erklärt, allerdings
nebenbei, daß „die Kooperation“ der einzige Ausweg aus der heutigen Lage sei.