Full text : Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

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Das  Wesen  des  wirtschaftlichen  Imperialismus.

zu  fördern,  wenn  er  nach  unbegrenzter,  d.  h.  durch  die  Staatsgrenzen
nicht  gehemmter  Ausdehnung  der  Wirtschaftskräfte  drängt.  Er  wirkt
infolge  Zusammenfassung  aller  Volksktäfte  im  Wege  der  Organisation. ­
  Er  kann  hierbei  auch  die  privaten  Wirtschaftsorganisationen
nicht  entbehren.  Er  baut  vielmehr  auf  sie  auf,  wenn  er  nicht  nur  die
einzelnen  Wirtschaftssubjekte,  sondern  auch  deren  Organisationen,  insbesondere ­
  die  Interessengemeinschaften,  die  Eusionen,  die  Kartelle,  die
Trusts  von  Staats  wegen  fördert,  ja  vielleicht  sogar  den  Bestand  von
Kartellen  und  anderen  Zwangsmittel  des  Großkapitalismus  geradezu
durch  Gesetze  aufrecht  hält.
Das  gesellschaftliche  Bindemittel  ist  das  Nationalgefühl
geworden.  Die  Entstehung  des  wirtschaftlichen  Imperialismus  entspringt
außer  aus  wirtschaftlichen  Ursachen,  auch  aus  den  Forderungen  einer
nationalen  Wirtschaftspolitik.  Dadurch  erhält  der  Materialismus
der  wirtschaftlichen  Ausdehnung  seinen  sittlichen  Gehalt.  Ja,  man  kann
sagen,  daß  der  wirtschaftliche  Imperialismus  der  modernen  Zeit  geradezu
die  wirksamste  Betätigung  der  Volkszusammengehörigkeit  geworden  ist.
Hochschutzzoll,  Exportprämien,  Monopolisierung  einzelner  Ausfuhrartikel,
staatliche  Unterstützung  wissenschaftlicher  Forschungen,  Veterinärpolizei,
stehen  im  Dienste  der  wirtschaftlichen  Außenpolitik.  Am  schärfsten  tritt
er  in  jenen  Staaten  zutage,  in  denen  eine  zum  völkerrechtlichen  Subjekt
geeinte  Nation  wirtschaftet,  im  Nationalstaat.  Daher  marschieren
an  der  Spitze  des  wirtschaftlichen  Imperialismus  England,  Frankreich,
Deutschland  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika.  Die  wirtschaftliche ­
  Ausdehnung  zeigte  sich  in  den  aus  mehreren  Nationen  zusammengesetzten ­
  Staaten  schwächer,  wie  im  alten  Österreich-Ungarn.
Der  wirtschaftliche  Imperialismus  kann  sich  auf  allen  Gebieten
der  Volkswirtschaft  betätigen.  Die  wirtschaftliche  Ausdehnung  kann
sowohl  die  Landwirtschaft,  wie  das  Gewerbe  und  die  Industrie,  wie  den
Handel  erfassen.
Der  Imperialismus  führt  aber  nicht  nur  zur  Förderung  der  Ausfuhr
und  der  Einfuhr  von  Gütern,  sondern  ebenso  zu  der  von  Menschen.  Die
Überschüsse  der  heimischen  Arbeitskraft,  die  im  Inlande  unbeschäftigt  sind,
drängen  auf  Betätigung  im  Ausland;  Überschüsse  fremder  Volkswirtschaften ­
  werden  ins  Inland  gezogen.  Der  wirtschaftliche  Ausdehnungsdrang ­
  führt  zunächst  Menschen  aus;  voran  gehen  die  Bioniere,  wie
Naturforscher,  Missionare,  Handelsagenten;  es  folgt  bei  zunehmendem  Erfolge ­
  die  wachsende  Abgabe  überschüssiger  Arbeitskräfte  an  das  Ausland. ­
  Bald  aber  tritt  unter  dem  Streben  der  Staatsgewalt,  ihr  menschliches
Kapital  unvermindert  zu  erhalten,  eine  Hemmung  ein:  der  Staat  bemüht
sich  seinen  heimischen  Arbeitskräften  ausreichende  und  lohnende  Arbeit
im  Inlande  zu  verschaffen.  Dieser  Gedanke  der  Erhaltung  heimischer
Arbeitskraft  ist  wieder  eine  der  Ursachen  fortschreitender  Industriali ­
            
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