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Die Gesamtwirtschaft.
(also die Verbrauchsfreiheit beseitigen) will, dann kann sich die Planwirtschaft nur
auf die Regelung der Produktion beziehen. Solange der Verbrauch beweglich ist
(nach Umfang und Art), solange müßte die Herstellung der Güter entsprechend
geplant werden; es müßte außerdem entsprechend der Preisbildung der Verbrauchsgütermarkt
beweglich genug sein, um auf die Preisveränderungen eingehen
zu können. Zwei Fragen tauchen hierbei auf: 1. wer soll die Schätzung des Bedarfs
und die Durchführung der planmäßigen Gesamtherstellung übernehmen, und 2.
was geschieht, wenn infolge von Fehlschätzungen insgesamt oder auf einzelnen Gebieten
zu viel oder zu wenig Güter hergestellt worden sind ?
Der marxistische Sozialismus will die Lösung auf dem Wege anstreben, daß
das Privateigentum an den Produktionsgütern beseitigt wird und letztere in den
Besitz der Gesellschaft überführt werden. Die Verbrauchsfreiheitsoll grundsätzlich
fortbestehen, wenn auch eine mehr oder weniger vollkommene Angleichung der
Einkommen beabsichtigt ist. Das letztere bedeutet, daß nicht an eine Aufhebung
des Marktverkehrs gedacht ist, daß vielmehr die Preisbildung die Ordnung der Bedarfsbefriedigung
bewirken soll und daß die sozialistische Wirtschaft nicht ohne
die Einrichtung des Geldes auskommen kann (wenn auch der Name durch Arbeitsgutscheine
ersetzt wird). Das entscheidende Merkmal liegt zunächst in der Vergesellschaftung
der Produktionsgüter, soll heißen: daß die Gesellschaft (der sozialistische
Staat) die Planung der Herstellung der Güter übernimmt. Es wird
gelehrt, daß der Sozialismus diese Aufgabe besser lösen könne, als die Anarchie,
die den Kapitalismus auszeichne, daß nicht nur technisch und kaufmännisch rationeller
als bisher gearbeitet, also ein größerer Sachertrag erzielt werde, sondern
gleichzeitig auch für die Verbraucher niedrige Preise und für die Arbeiter höhere
Löhne erzielt würden. Also statt Verschwendung von Produktionsgütern und
Ausnutzung der Arbeitskräfte — größte Wirtschaftlichkeit und höchstes Menschentum
für die Arbeiter.
Bei diesem Versprechen bleibt zunächst unklar, wie die Abschätzung des Bedarfs
der Gesamtheit an Gütern und die Planung ihrer Herstellung erfolgen soll,
ganz abgesehen davon, wie die Durchführung der Herstellung gedacht ist. Als
nach Ausbruch der Novemberrevolte die Massen den ihnen ausgestellten Blankowechsel
auf den Zukunftsstaat vorwiesen, stellte sich heraus, daß eindeutige
Pläne für die Durchführung der sozialistischen Planwirtschaft nicht bestanden
(und daher vielfach Sozialisierungen auf eigene Faust vorgenommen wurden). Die
von der Regierung berufene Sozialisierungskommission stellte nicht nur fest, daß
große Teile der Gesamtwirtschaft noch nicht sozialisierungsreif seien, sondern daß
in den sozialisierungsmöglichen Gebieten (Kohle, Kali, Eisen) zwar eine Gemeinschaft
von Herstellern, Verbrauchern und Staat zu bilden sei, daß aber die Unternehmer
nicht entbehrt werden könnten. (Die Minderheit meinte sogar, daß auch
dem Kapital ein Anreiz gegeben werden müsse, damit es sich in erforderlicher
Menge zur Verfügung stelle.) Nichtsdestoweniger hat tatsächlich seit dieser Zeit
eine Ausdehnung der Sozialisierung stattgefunden, indem die öffentlich-rechtlichen
Verbände, insonderheit die Gemeinden, eine wachsende Zahl von Wirtschaftsbetrieben
in eigene Hand übernommen haben (Gas, Wasser, Elektrizität,
Straßenbahnen — und vieles andere mehr). Dort wo es sich um Verhinderung
eines privaten Monopols handelte, hat die Kommunalisierung wohl ihr Ziel erreicht,
wenngleich eine Menge von Mißständen zu beklagen gewesen sind.
In anderer Weise sucht die Gemeinwirtschaft von Rathenau die Lösung zu erreichen:
wiederum soll der Verbrauch grundsätzlich frei bleiben, ebenso soll das Privateigentum an den
Produktionsgütern bestehen bleiben. Dagegen soll die Planung auf dem Wege erfolgen, daß
auf der einen Seite große Verbraucherverbände gebildet werden, denen auf der anderen
Seite die ebenfalls zu Verbänden zusammengeschlossenen Hersteller (Wirtschaftsbetriebe)
gegenüberstehen. Von den Verbänden soll dann die Planung in gemeinsamer Arbeit durch-