Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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ließ die Wolga—Kamaprojekte zurücktreten 1 ). Gleichzeitig mit der 
Vollendung der ersten Teilstrecke der neuen sibirischen Bahnlinie, Kinel—' 
Buguruslan—Ufa (1888), wurden auch die Gesellschaften Wjasma— 
Rjashsk, Rjashsk—Morschansk und Morschansk—Sysran verstaatlicht, 
deren Linien im Jahre 1890 von der Staatsbahnverwaltung Wjasma— 
Sysran einheitlich zusammengefaßt wurden * 2 ). 12 Jahre nach der 
Vollendung der Orenburger Bahn kam also die Strecke Rjashsk—Kinel 
einem größeren Verkehr zugute. 1890 wurde die schwierigste Strecke 
der russisch-sibirischen Bahn in Europa, die zum Ural führende Anstieg 
strecke Ufa—Slatoüst, vollendet. 1892 wurde Tscheljabinsk, 1893 
Kurgan, die erste Stadt in Sibirien, erreicht. Mit Plansicherheit und 
Tatkraft war der Staat an seine Aufgabe herangetreten und hatte inner 
halb 10 Jahre neben kleineren Arbeiten in zwei verschiedenen, bisher 
vernachlässigten Landschaften tüchtige Aufgaben gelöst. Im europäi 
schen Osten stand ihm 1892 eine, allerdings in Zentralrußland beginnende, 
2342 W lange Strecke — von Wjasma bis kurz vor Syrjanka an der 
politischen Grenze nach Sibirien — zur Verfügung. Des Staates und 
der Privatgesellschaften Tätigkeit hatte bewirkt, daß 1890 von den 60 
russischen (und polnischen) Provinzhauptstädten 45 eine Bahn hatten, 
15 aber noch ohne Eisenbahn waren, darunter Kasan, Astrachan und 
vier polnische Städte. 
Auch die finnischen Staatsbahnen dehnten sich in dieser Zeit rüstig 
nordwärts aus. Bereits 1876 war die alte finnische Hauptstadt, Äbo, 
und die größte finnische Industriestadt, Tammerfors, von den Bahnen 
erreicht. 1882 war über die Binnenstadt Tammerfors und Seinajöki 
hinaus der alte schwedische Hafen Vasa, das neurussische Nikolaistad, 
in bedeutsamer Lage an der schmälsten Breite des Bottnischen Meer 
busens — jenseits des Meeres war man noch nicht soweit nordwärts 
vorgedrungen — der Bahn angeschlossen, und 1886 hatte die rührige fin 
nische Staatsbahnverwaltung von Seinajöki aus die nördlichste Provinz 
hauptstadt des ganzen russischen Reiches, Uleäborg, angebahnt. 1889 
wurde das mittlere Seengebiet durch die fast 300 km lange Strecke 
Kuovola—St. Michel—Kuopio erschlossen 3 ). 
Demgegenüber geschah von privater Seite zunächst noch wenig. 
Von einer Gesundung des Privat bahn wesens konnte man vorerst noch 
nicht sprechen. Vielmehr glaubte der Staat, seinen Einfluß auf die inneren 
Verhältnisse der Bahnen ausdehnen zu müssen. Im Jahre 1885 wurde 
eine staatliche Revisionsbehörde der Privatbahnen eingerichtet, der 
6 Vgl. unten S. 45. 
2 ) Im Jahre 1888 vollendete der Staat die Bahn Rshew—Wjasma, die süd 
liche Portsetzung der von Lichoslawl (an der Nikolaibahn) 1870 bis Torshok und 
1874 (bis Rshew) beendeten, der Nowotorshokgesellschaft gehörenden Linie. 
3 ) Kuopio erhielt als letzte der 8 finnischen Provinzhauptstädte eine Eisen 
bahn.
	        
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