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Den Wechsel in der von Rußland zu beobachtenden Politik beleuchtete
ein Artikel des Kriegsministers Suchomlinow in der „Birshewija
Wjedomosti“ (Juni 1914), in dem er sagte, daß ein ganzes Netz strategischer
Linien projektiert sei und mit dem Bau teilweise begonnen werde.
Auf diese Weise, betonte der Minister, haben wir alles getan, um dem
Gegner bei einer Mobilmachung zuvorzukommen und gleich in den
ersten Tagen des Krieges möglichst schnell eine Armee zu konzentrieren.
So hatte sich auch die Ansicht maßgebender russischer Politiker geändert
und den französischen Wünschen vollauf Rechnung getragen. Der
Ausbruch des Weltkrieges kam freilich der Möglichkeit, ein nach Offensivgedanken
ausgebautes Bahnnetz zu besitzen, zuvor. Keine einzige
Bahn ist auf dem linken Weichselufer vollendet worden, die dem französischen
Drängen nach einer anderweitigen Orientierung der russischen
Bahnpolitik entsprochen hätte. Im großen und ganzen war das polnische
Bahnwesen zu Beginn des Krieges noch in demselben Zustand wie vor
zehn Jahren, und auch während des Krieges konnte der englischen
Initiative, den Ausbau des linksufrigen Bahnnetzes zu beschleunigen,
nicht mehr entsprochen werden, denn die von den Russen angelegten
Feldbahnen dienten nur provisorischen Zwecken und kamen somit für
weitergesteckte Ziele nicht in Betracht. Anders auf dem rechten Ufer,
auf dem von den kriegführenden Parteien Voll- und Schmalspurbahnen
gebaut wurden, die über die augenblicklichen Bedürfnisse hinaus den
Anforderungen eines Friedensverkehrs dienen können. Es ist aus naheliegenden
Gründen begreiflich, daß noch nicht viele authentische Nachrichten
über derartige Bahnanlagen vorliegen. Ein verhältnismäßig
nicht unwichtiger Bau wurde im Sommer 1915 bekannt. Die Besetzung
von drei Vierteln des Kronlandes Galizien, die die Russen als russische
Gouvernements und somit als dauernden Besitz verwalten ließen, zwangen
sie endlich, auch eine Verbindung des galizischen mit dem polnischen
Bahnnetz herzustellen, die nach dem Abzug der Russen von den Österreichern
übernommen wurde. Von Lublin führt die übrigens in Normalspur
angelegte Bahn — vielleicht verdankt die mitteleuropäische Spur
ihre Wahl der Tatsache, daß die Russen so das rollende Material österreichischer
Herkunft benutzen konnten — das Tal der Bystryza aufwärts
nach Zakrzowek und erreicht über Krasnik in dem galizischen
Rozwadow die Santalbahn 1 ). Aber auch eines der älteren polnischgalizischen
Projekte, dessen Bau vor dem Kriege beschlossen war, kam
der Verwirklichung nahe. Eine Vollbahn sollte in Cholm die südpolnische
Linie verlassen und über Samostje und Tomaschow in Belzec die bestehende
galizische Stichbahn von Lemberg—Rawa Ruska erreichen. ■
Die Linie war beim Vorrücken der Österreicher bereits nahezu fertig
trassiert und im Unterbau hergerichtet. Schon am 5: September 1915
1 ) Die Strecke Lublin—Rozwadow wurde Anfang Oktober 1915 auch für den
privaten Personen- und Güterverkehr in vollem Umfange in Betrieb gesetzt.