Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Linien  des  europäischen  Rußland)  fallen  in  diese  Stufe,  so  daß  im  ganzen
noch  reichlich  20  400  km  Eisenbahnen  einen  Tagesverkehr  von  vier  und
weniger  Zügen  haben.  Rund  39%  aller  Bahnen  haben  also  einen  schwachen
Verkehr,  dessen  hinreichende  Leistung  in  vielen  Fällen  freilich  damit
nicht  geleugnet  werden  soll.  In  Mitteleuropa  ist  eine  derartig  geringe
Zugfolge  schon  sehr  eingeschränkt.  Auf  den  deutschen  Bahnen  verkehren ­
  auch  auf  den  am  schwächsten  bedachten  Linien  wenigstens
6  Züge.  In  Frankreich  gibt  es  nur  noch  auf  Korsika  und  in  den  Landes
ein  paar  Lokalbahnen  mit  einem  Tagesverkehr  von  4  Zügen.  Auch  in
Italien  sind  die  Linien  mit  gleich  schwachem  Verkehr  fast  ganz  auf  Sardinien ­
  beschränkt.  Auf  der  Halbinsel  ist  die  Mindestleistung  (5  und)
6  Züge.  Sehr  ausgedehnt  sind  aber  die  Linien  mit  kleiner  Zughäufigkeit
auf  der  iberischen  Halbinsel,  in  den  Staaten  des  europäischen  Orients
und  in  kleinerem  Maße  auch  noch  in  der  österreichisch-ungarischen
Monarchie 1 ).  Während  indes  z.  B.  in  der  Donaumonarchie  diese  Linien
Nebenbahnen  sind,  finden  sich  in  Rußland  wie  in  Südosteuropa  und  in
Spanien  unter  ihnen  auch  Verkehrswege  von  verhältnismäßiger  Bedeutung. ­
  In  Polen  sind  freilich  alle  diese  Bahnen  Nebenlinien  oder
aber  auch  strategische  Bahnen  von  geringerer  wirtschaftlicher  Bedeutung.
Die  von  Sjedlez  ausgehende  zweigeleisige  strategische  Bahn  nach  dem
Nordwesten  wird  bis  Polotzk  nur  von  4  und  die  ebenfalls  doppelgeleisige
Fortsetzung  über  Newel  nach  Weliki  Luki  sogar  nur  von  2  Zügen  befahren. ­
  Es  dürfte  wohl  im  gesamten  Eisenbahnverkehr  der  Erde  einzig
sein,  daß  eine  zweigeleisige  Strecke  nur  von  einem  Personenzugpaar
benutzt  wird.  Bemerkenswert  ist  aber,  daß  selbst  der  größte  Teil  der
Moskau-Windauer  Bahn,  die  für  den  Verkehr  zwischen  dem  zentralen
Großrußland  und  den  Ostseehäfen  bedeutend  ist,  nur  von  4  Zügen  befahren ­
  wird.  Im  südlichen  Rußland  finden  wir  mehrere  Linien  von
einiger  Bedeutung  mit  gleicher  Verkehrsstärke,  und  im  Norden  und
Osten  sind  Linien  mit  höherer  Zugzahl  Ausnahmen.  Verkehren  doch
auch  auf  der  wichtigen  Linie  Rjäsan—Rusajewka—Sysran,  die  eine
erhebliche  Verkürzung  des  Weges  von  Moskau  zur  Wolga  darstellt
(865  W.)  gegenüber  den  Linien  über  Rjäsan—Rjashsk—Pensa  >(904  W)
und  namentlich  über  Tula—Rjashsk  (975  W),  nur  2  Zugpaare.
Linien,  die  täglich  von  (5)  6—8  Zügen  befahren  werden,  gehören
in  Rußland  schon  zu  den  Bahnen  mit  mittlerer  Verkehrsstärke.  Alte
Stammbahnen,  wie  Bologoje—Rybinsk,  (Libau—)Murawiewo—Koschedari
  (—Wilna),  die  wichtige  Poljesjebahn  Brest—Hornel  bringen  es  auf
6  Züge,  Libaus  Hauptverbindung,  Libau—Murawiewo—Mitau  (—Riga),
ferner  die  Strecke  Dwinsk—Smolensk—Orel  der  Riga—Oreler  Bahn,
1 )  Nach  Förster  und  Czegka  z.  B.  1907  in  Österreich  10,7,  in  Ungarn  21,1  °/ 0
aller  Linien,  Hassert,  Allg.  Verkehrsgeographie  S.  148.  In  Österreich  war  im
Winter  1913/14  die  Zahl  der  Linien,  die  von  vier  und  weniger  Zügen  befahren
wurden,-auf  etwas  über  6%  zurückgegangen.
            
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