WANDERÜNGSVEREAUF UND GETROFFENE MASSNAHMEN. 111
kommen gefunden hätten, bis ihnen Wohnungs- und Erwerbsmöglichkeiten
nachgewiesen worden wären.
Auf diese Weise wäre eine Weiterleitung möglich
gewesen, die eine Verteilung der Flüchtlinge auf ihre
Heimatstaaten berücksichtigen konnte, da in diesem Falle
die nötige Zeit zu Gebote stand, um in diesen Staaten für
Unterkommen zu sorgen.
Noch wichtiger wäre bei solchem Vorgehen gewesen,
daß man bei der Übernahme der Vertriebenen Einfluß
darauf hätte nehmen können, ihre Arbeitskraft in möglichst
großem Umfang den Gebieten unserer Wirtschaft
zuzuführen, die einer Vermehrung der Arbeitskräfte bedürfen.
Alle mit der Landwirtschaft einigermaßen vertrauten
Elemente mußte man zusammenziehen und ihnen
Gelegenheit zur Ansiedelung auf dem Lande geben. Alle
Kohlenbergleute, die Bergleute überhaupt, mußte man in
gleicher Weise sammeln und unsern Rohstoffgebieten zuführen.
Pensionierte Beamte und kleine Rentner mußte
man auf die Notlage in den Städten aufmerksam machen
und sie in die Lage versetzen, sich in Landgemeinden, in
halbländlichen Gemeinden anzusiedeln. Beratungsstellen für
den nötigen Berufswechsel einzelner Berufsarten mußten
eingerichtet werden und Mittel und Wege gefunden werden,
die Beamten, die in so besonders großer Zahl unter den
elsaß-lothringischen Vertriebenen enthalten sind, dazu zu
bewegen — unter der Bedingung, daß sie landwirtschaftlich
vorgebildet waren — sich ihren Gehaltsanspruch vom
Staat kapitalisieren zu lassen und sich an elsaß-lothringischen
Siedelungen zu beteiligen.
Hätte man in dieser Art den Flüchtlingen bei der
Schaffung einer neuen Existenz mit Rat und Tat geholfen,
sie hätten sich nicht lange besonnen, ob sie auf anderem
Wege Besseres erreichen könnten. Viele hätten die entgegengestreckte
Hand ergriffen und wären bei der Umstellung
unserer nationalen Arbeitskräfte in der für uns
so dringend nötigen Richtung zu Vorkämpfern geworden.
Die Reichsregierung, mußte sich darüber klar sein,
daß ein großer Teil der Flüchtlinge ohne staatliche Hilfe