Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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WANDERÜNGSVERLAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  115

b)  DIE  DAUERFÜRSORGE  FÜR  NOTLEIDENDE  FLÜCHTLINGE. ­

Mit  der  Fürsorge  für  die  Flüchtlinge,  die  nicht  sofort
ein  Unterkommen  und  Arbeitsmöglichkeit  fanden,  wurde
am  1.  Februar  1919  für  das  ganze  Reichsgebiet  das  Rote
Kreuz  beauftragt.  Seine  Tätigkeit  bildet  die  Fortsetzung
der  vorübergehenden  Hilfeleistung  der  Reichsübernahmestellen. ­

In  gewisser  Beziehung  liegt  auch  die  Aufgabe  des
Roten  Kreuzes  auf  dem  Gebiet  der  Übernahme.  Für  die
größeren  Bundesstaaten  richtete  es  die  Landesübernahmestellen ­
  ein,  von  denen  bereits  die  Rede  war.  Für  Baden
ist  die  Reichszentralstelle  in  Freiburg  als  Landesübernahmestelle ­
  tätig,  in  Württemberg  liegt  die  Leitung  der
gesamten  Fürsorge  für  die  elsaß-lothringischen  Flüchtlinge ­
  in  der  Hand  des  Arbeitsministeriums,  Abteilung
soziale  Volkswohlfahrt  (Kriegsfürsorge).
Bei  diesen  LandestibernahmestelleD  war  nochmals  Gelegenheit ­
  gegeben,  durch  Errichtung  von  Sammellagern
mit  zentralen  Arbeitsnachweisstellen  und  Berufsberatungsstellen ­
  eine  Beeinflussung  der  Flüchtlinge  zum  Berufswechsel ­
  durch  gleichzeitige  Schaffung  von  ländlichen  und
industriellen  Siedelungen  in  weitem  Umfang  durchzuführen.
Aber  die  Anlage  und  der  Ausbau  dieser  Übernahmestellen
entsprach  keineswegs  solchen  Aufgaben,  und  es  fehlten
die  nötigen  Geldmittel.  Auch  die  Landesübernahmestellen
haben  bis  heute  vor  allem  nach  dem  Grundsatz  der  möglichst ­
  raschen  Weiterleitung  der  Vertriebenen  gehandelt.
Sie  verkannten  zwar  nicht,  daß  es  mit  der  bloßen  Weiterleitung ­
  nicht  getan  sei,  man  war  sich  klar  darüber,  daß
die  wichtigste  Aufgabe  sei,  den  Flüchtlingen  Heimstätte
und  Arbeit  zu  verschaffen,  aber  auch  hier  hoffte  man,
der  Initiative  des  einzelnen  alles  überlassen  zu  können,
und  die  Notwendigkeit,  die  Flüchtlinge,  wenn  irgend  möglich, ­
  in  produktive  Berufe  überzuleiten,  fand  keine  Berücksichtigung. ­

Die  Haupttätigkeit  des  Roten  Kreuzes  wurde  von
vornherein  darin  gesehen,  den  notleidenden  Vertriebenen
            
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