Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WÄNDERUN  GS  VERLAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  177
führung  der  zurzeit  vorliegenden  Projekte  wurden  der
Gesellschaft  vorläufig  18  Millionen  Mark  bewilligt.
Von  welcher  Bedeutung  es  gewesen  wäre,  wenn  diese
Mittel  der  Ansiedelung  vertriebener  Elsaß-Lothringer  bereits ­
  vor  einem  Jahr,  und  früher  hätten  nutzbar  gemacht
werden  können,  erhellt  aus  der  Tatsache,  daß  (nach  Angaben ­
  des  ehemaligen  Spitalbaumeisters  von  Straßburg,
jetzt  technischer  Hilfsberichterstatter  am  württembergisohen
  Ministerium  des  Innern,  Wohnungsabteilung)  die
Baukosten  folgende  Entwicklung  seit  der  Revolution  genommen ­
  haben:
Eine  ländliche  gemeinnützige  Baugenossenschaft  (in
Württemberg)  plante  den  Bau  von  zwei  Gebäuden  mit
acht  Dreizimmerwohnungen.  Die  Kosten  waren  im  Februar ­
  1919  zu  115000  M.  veranschlagt.  Zur  Durchführung
des  Projektes  waren  bis  Februar  1920  240000  M.  erforderlich. ­
  Im  Juni  1920  wurde  festgestellt,  daß  sich  die  Kosten
nach  Fertigstellung  auf  über  300000  M.  beliefen.
Eine  Bezirksbaugenossenschaft  (in  Württemberg)  hat
12  Zwei-  und  Dreizimmerwohnungen  errichtet.  Kostenanschlag ­
  im  November  1919  177  000  M.  Die  Fertigstellung
verzögerte  sich  bis  1.  Juli  1920.  Baukosten  560000  M.
Mit  den  von  der  Reichsregierung  zur  Verfügung  gestellten ­
  Mitteln  hätte  noch  vor  einem  Jahr  mehr  als  die
doppelte  Zahl  von  Flüchtlingen  untergebracht  werden
können  als  heute.  Die  Schuld  an  dieser  Versäumnis  liegt
beim  Reichsfinanzministerium.  Die  Vertriebenen  und  alle
sie  vertretenden  Stellen,  der  Hilfsbund,  der  Beirat  und  die
Ministerialabteilung,  haben  auf  die  Notwendigkeit  der  Ansiedlung ­
  einer  großen  Zahl  vertriebener  Elsaß-Lothringer
in  einer  Reihe  von  Kundgebungen  und  Eingaben  an  die
Reichsregierung  hingewiesen.  Die  Vertriebenen  suchten
sich  durch  Zusammenschluß  in  Genossenschaften  selbst
zu  helfen.  Der  Mangel  an  Geldmitteln,  den  auch  die
spärlich  fließenden  allgemeinen  Baukostenzuschüsse  nicht
beheben  konnten,  hinderten  sie  in  Verbindung  mit  anderen
Hemmungen  an  einer  erfolgreichen  Tätigkeit.
Ernst,  Eingliederung  d.  Elsaß-Lothr.  ins  deutsche  Wirtschaftsleben.  12
            
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