Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERUNGSVORGANG  ELS.-LOTHE..  BEVÖLKERENGSGRUPPEN•  41
gleichgestellt.  Mit  dem  Wichtigsten,  was  wir  zum  Leben
brauchen,  mit  den  Nahrungsmitteln,  sind  wir  von  unsern
Gegnern  abhängig.  So  können  sie  uns  stets  zu  Boden
drücken  und  alle  ihre  Bedingungen  durchdrücken.
Selbstverständlich  denken  wir  nicht  an  einen  allgemeinen ­
  Abbau  unserer  Industrie.  Aber  das  Zuviel  der  in
der  Industrie  Beschäftigten  muß  unserem  Volk  erhalten
bleiben.  Diese  Arbeitskräfte  müssen  der  Landwirtschaft
und  der  Rohstoffindustrie  zugeführt  werden.
Die  Frage  ist  nun  die,  ob  unsere  Landwirtschaft
und  unsere  Roff  Stoff  Industrie  nicht  schon  mit  Arbeitskraft
gesättigt  ist.  Müßten  wir  diese  Frage  bejahen,  so  hätte
aller  Wunsch  zur  Verselbständigung  unserer  Wirtschaft
keinen  Zweck.  Dann  müßte  ein  großer  Teil  unseres  Volkes
auswandern.  Aber  unsere  landwirtschaftlichen  Sachverständigen ­
  sind  sich  darin  einig,  daß  eine  Erhöhung  unserer
landwirtschaftlichen  Produktion  durch  eine  weitgehende
Heranziehung  neuer  Arbeitskräfte  verbunden  mit  einer
Vervollkommnung  unserer  Betriebe  in  technischer  und  wirtschaftlicher ­
  Beziehung  in  größtem  Maße  möglich  ist.
Hinsichtlich  der  industriellen  Rohstoffproduktion  sei
nur  an  den  Kohlenbergbau  erinnert,  der  noch  in  weitem
Maße  Arbeitskräfte  aufnehmen  kann.
Am  wichtigsten  ist  jedoch  die  Erhöhung  unserer  landwirtschaftlichen ­
  Produktion.  Geheimrat  Areboe  hält  es
für  möglich,  daß  der  deutsche  Boden  bei  richtiger  Bebauung ­
  ein  Hundertmillionenvolk  ernähren  kann.  Das  Wichtigste ­
  zur  Ausnützung  des  Bodens  sind  mit  die  Arbeitskräfte. ­
  Und  diese  fehlen  heute  auf  dem  Lande  mehr  denn  je.
Vor  dem  Kriege  wmrden  auf  den  großen  Gütern  im
Osten  Deutschlands  vielfach  ausländische  Wanderarbeiter
verwandt,  jährlich  etwa  400000.  Diese  fehlen  jetzt,  und
an  ihre  Stelle  sind  noch  keine  einheimischen  Arbeitskräfte ­
  getreten.  Denn  weder  suchen  die  Gutsbesitzer  solche
Kräfte  heranzuziehen,  —  aus  Furcht,  die  politisch  unruhigeren ­
  städtischen  Arbeiter  und  Arbeitslosen  würden
die  landwirtschaftlichen  Arbeiter  verseuchen  —  noch  wollen
die  arbeitslosgewordenen  Industriearbeiter  aufs  Land.  Trotz
            
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