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II. HAUPTTEIL.
deren Tätigkeit in irgendeiner direkten Beziehung zum
öffentlichen Leben steht, wurde die Berufsausübung zur
Qual. Ein Lehrer mit deutscher Gesinnung muß heucheln,
wenn er im Amte bleiben will. Er muß französisch unter
richten, er muß seine Zöglinge aus dem Lesebuch unter
richten, in dem alle die Lügen von deutschen Greueln in
Belgien enthalten sind. Eür einen Kaufmann wird es
leichter sein als für solchen Lehrer, unter der Fremd
herrschaft zu leben. So ist es auch nicht verwunderlich,
daß von den 270 Geistlichen der evangelischen Kirche
Elsaß-Lothringens bis heute 78 ausgewiesen oder aus
gewandert sind, darunter 29 Alt-Elsaß-Lothringer und 11
Altdeutsche, die mit einheimischen Frauen verheiratet
waren.
Eine vollständige Statistik über die berufliche Gliede
rung der vertriebenen Elsaß-Lothringer gibt es natürlich
nicht. Das ist schon deshalb unmöglich, weil ja allein
15000 Vertriebene nicht einmal zahlenmäßig erfaßt werden
konnten. Aber aus den vorhandenen Unterlagen können
wir die berufliche Gliederung so klar erkennen, als es
für unsern Zweck notwendig ist.
Die Reichszentralstelle für vertriebene Elsaß-Lothrin
ger in Freiburg — eine Reichsstelle, die, wie wir später
sehen werden, im Januar 1919 gegründet und mit der
Übernahme der elsaß-lothringischen Flüchtlinge beauftragt
wurde — führt seit Juni 1919 eine Statistik über die Be
rufsgliederung der Vertriebenen. Da in diese Statistik
nicht nur die seit Juni 1919 aus Elsaß-Lothringen Ein
gewanderten, sondern auch ein Teil der Vertriebenen, die
bereits vor Juni eingewandert sind, soweit man ihren Be
ruf ermitteln konnte, aufgenommen wurden, so ergibt sich
daraus die berufliche Gliederung eines ansehnlichen Teiles
aller Vertriebenen. Nach dieser Statistik wurden vom
1. Juni 1919 bis 31. August 1920 aus Elsaß-Lothringen
ausgewiesen bzw. es wunderten freiwillig aus:
5330 Beamte 2702 Gewerbetreibende
7525 Arbeiter 1084 freie Berufe
927 sonstige Berufe