Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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In Wahrheit ist der wirtschaftliche Eigennutz nicht als sub 
jektiver Beweggrund bedeutsam, sondern lediglich mittel 
bar, nämlich als Eingliederungsgrund und Eingliederungs 
weise. Das Gleiche gilt sinngemäß vom Wettbewerb. Er 
ist ein bestimmtes Verhältnis der Eingliederungshandlungen 
(oder -kräfte) zueinander. Konkret gefaßt, besteht es darin, 
daß ein Unterbieten und Verdrängen der Eingliederungs 
handlung des B durch jene des A stattfindet. Darin liegt, 
daß der obsiegende Betrieb des A seinen Umfang erweitert: 
ferner, daß sich um das Schicksal der im Wettbewerb Besiegten 
niemand kümmert (was sich in Krisen und Wirtschaftszer 
störung auswirkt). 
Diese umgliedernde Eigenschaft des Wettbewerbes 
hat man bei seiner Beurteilung stets im Auge zu behalten. 
Die Wirtschaft steht nicht „unter der Bedingung" des Wett 
bewerbes, sondern ihre (gegebene) Gliederung läßt jeweils 
Umgliederungen durch den Wettbewerb zu. Nicht das freie 
Walten der Eigennutze, sondern die umgliedernde Bedeutung 
freier Eingliederungsakte und ihre Bezogenheit aufeinander 
ist das Wesentliche am Wettbewerbe. Der Wettbewerb der 
Individuen untereinander kann also stets nur im Rahmen der 
Ganzheit begriffen werden. Im Wettbewerb vermittelt sich 
Ganzheit in der Bezogenheit Einzelner aufeinander! Der 
Wettbewerb erscheint am Individuum, aber er entsteht 
und besteht nur insoweit, als er Ganz 
heiten aufbaut oder zerstört — er ist so recht 
eigentlich eine bildende oder zerstörende Kraft im Ganzen. 
In dieser gefügebildenden Kraft ist sein Wesen gelegen. Er 
ist volkswirtschaftlich durchaus nichts anderes als eine be 
stimmte Art von Vereinheitlichung, Angleichung oder auch 
Sprengung und Zerstörung. „Wetteifer" der Einzelnen heißt: 
In eine Ganzheit durch Übertreffen des anderen oder An 
gleichung an ihn eintreten, „Wetteifer" heißt nicht, daß das
	        
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