Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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stehen  wir  am  Beginn  einer  Utopistik  als  Wissenschaft.  Sie  würde
jedenfalls  unserer  Jiugend  bessere  Dienste  leisten,  als  die  überlieferte  Wirtschaftslehre ­
  und  Soziologie,  die,  auf  die  Vergangenheit  und  die  zufällige  Gegenwart ­
  beschränkt,  den  gewaltigen  Umwälzungen  der  Kriegszeit  und  der  Revolution ­
  in  keiner  Weise  gewachsen  waren.
Sich  zu  viel  mit  dem  Möglichen  beschäftigen,  hat  allerdings  manches
Bedenkliche  an  sich,  insbesondere  für  den  jugendlichen  Menschen,  aber  bisher
hat  man  dem  Möglichen  auf  gesellschaftlichem  Gebiet  zu  wenig  Raum  geschenkt. ­
  Abgesehen  davon,  dan  die  Utopien  den  Heranwachsenden  über  viele
tatsächliche  Zusammenhänge  belehren,  erkennt  man  doch  dann  erst  voll  das
Wirkliche,  wenn  man  auch  das  Mögliche  überschaut,  schenkt  sie  ihm  noch
überdies  eine  gewisse  Unbefangenheit  und  reift  sein  eigenes  Urteil.
Wie  reizvoll  ist  es  doch,  seine  eigene  Zeit  wie  die  Utopia  des  Thomas
Morus  zu  schildern  und  umgekehrt  dessen  etwas  leere  Darstellungen  mit
der  Fülle  der  Gegenwart  ausgestattet  zu  denken!
Welch  stolzer  Anblick  wäre  es,  wenn  wir  dahin  kämen,  daß  wir,  die
Entwicklung  erlebend,  fortwährend  auf  Erscheinungen  stießen,  die  wir  längst
vorausgedacht,  ja  vielleicht  vorausgewollt  hatten!  Gerade  auf  gesellschaftlichem
Gebiet  haben  wir  es  mit  sehr  bekannten  Elementarkräften  zu  tun,  Erscheinungen
wie  die  Radioaktivität  treten  wohl  kaum  neu  auf.  Es  ist  dies  Gebiet  der  reinen
Mechanik  verwandt,  die  auch  immer  neue  Konstruktionen  zuläßt,  aber  keine
•neuen  Kräfte  kennt.  Einst  mag  ein  Geschlecht  kommen,  welches  in  der  bewußten ­
  Gestaltung  unseres  Lebäis,  in  der  bewußten  Gestaltung  unseres  Glücks
erst  das  wahre  Menschentum  sieht  und  alles,  was  vorher  war,  wie  ein  vorgeschichtliches ­
  Zeitalter  betrachtet,  in  das  sich  dann  viele  zurücksehnen  mögen,
wie  wir  uns  in  längst  vergangene  Tage  zurücksehnen,  freilich  oft  nur  deshalb, ­
  weil  wir  den  Ekel  und  die  Wirrnis  der  Vergangenheit  im  geschichtlichen ­
  Verlauf  ähnlich  leicht  vernachlässigen,  wie  im  eigenen  Leben.
Es  ist  eine  schwere  Aufgabe,  die  Ideen  der  Zukunft  erfolgreich  vorzubereiten, ­
  denken  wir  daher  nicht  verächtlich  von  jenen,  welche  die  Grundlagen ­
  der  überlieferten  Wirtschafts-  und  Gesellschaftslehre  schufen.  Sie  haben
den  Besten  ihrer  Zeit  genug  getan  und  ihrerseits  einer  frohen  Jugend  die  Wege
geebnet.  Warum  jene  Jugend  es  nicht  verstand,  diesen  Geist  des  Werdens
zu  bewahren,  mag  die  Weltgeschichte  beurteilen,  wir  können  jedenfalls  das
große  Werk  beginnen,  von  jetzt  an  bewußt  die  Zukunft  und  das
Mögliche  zu  pflegen.  Das  gilt  für  die  unter  uns,  die  gleich  den  Alten
von  den  Säulen  des  Herkules  aus  zuschauen,  wie  die  Sonne  weit  draußen,
untergeht,  größer  als  anderswo  in  der  Welt,  und  tatenlos  von  einer  fernen
Atlantis  träumen,  das  gilt  aber  auch  für  die,  welche  wie  Kolumbus  und
die  Seinen  den  Entschluß  und  die  Kraft  aufbringen,  die  Anker  zu  lichten,
um  mit  vollen  Segeln  auf  jenes  beglückende  Eiland  zuzusteuem.
            
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