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erwartet als von einer klaren, übersichtlichen Verwaltung^ achtet die Geheimnisse
der Unternehmer so sehr, daß es auf eine umfassende Wirtschaftsstatistik
verzichtet und über die wichtigsten Dinge unseres Lebens nichts weiß.
Aus diesem untechnischen, gestaltungsfeindlichen Denken heraus erklärt sich
vor allem die geringe Wertschätzung der Utopie der gescllschaftstechnischen
Konstruktion.
Die gewaltigen Umgestaltungen des Krieges haben der Utopie neues
Leben eingehaucht. Die Generale und Politiker der letzten Jahre haben unter
Verachtung der überlieferten Gesellschaftsordnung alles dem militärischen Erfolge
dienstbar zu machen gesucht. Kein Eingriff war ihnen zu groß, wenn
er den Sieg zu verheißen schien. Die Bande der Familie wurden erschüttert,
Menschenmengen hin und her geschoben, Industrien von Grund aus umgewandelt
— alles in der kürzesten Zeit. Um der Vernichtung willen wurde
gezeigt, was Menschenkraft zu leisten vermag. Ist es so unverständlich, wenn
immer mehr Menschen die Frage aufwerfen, ob man nicht in ähnlicher Weise
Friedensziele erstreben könne, wie man so lange Kriegsziele erstrebt
habe? Ist es so unverständlich, wenn die Menschen nun ungeduldig an die
Pforte der Zukunft pochen und fragen, ob 'der Jammer, den sie früher gekannt,
weiter dauern müsse, ob nicht die großen Generale und Politiker des Kampfes
um das menschliche Glück unter Mißachtung überlieferter Formen, unter Umstellung
der Industrien neue Lebensordnungen heraufführen könnten? Ist es
so unverständlich, daß heute das Volk nach Utopien schreit, nach gewaltigen
Gemälden seines zukünftigen Schicksals? Ist es so unverständlich, daß heute
so Viele tappend und unsicher, voll Haß und Erbitterung, geleitet von einem
unbestimmten Drange, das Gewesene zertrümmern wollen, von dem dumpfen
Glauben geleitet, das müsse genügen, um den Neubau zu erzwingen?
Was wir so bei den Massen sehen, das begegnet uns auch überall
in den Kreisen der ruhigen Gestalter, Ist es nicht, als ob ein neuer Geist die
Techniker erfüllt, welche immer drängender nach Vereinlieitlichungen verlangen,
nach Normung, Typisierung, Spezialisierung, welche immer drängender fordern,
daß die Arbeit, der Betrieb, kurzum alles, wbs technisch beherrsdht werden
kann, nach allgemeinen Grundsätzen, möglichst erfolgreich, mibglichst rationell
gestaltet werden soll? Zeichnen nicht alle Vertreter dieser Bestrebungen letzten
Endes wichtige Linien in dem großen Gemälde, das die Zukunft schildern soll?
Ist nicht der heute bereits anerkannte Gedanke einer umfassenden Energie- und Kraftverwaltung,
der Gedanke einer öffentlichen Sicherung aller Daseinsbedingungen
utopistisch? Ist er nicht gesellschaftstechnische Konstruktion?
Utopien können die verschiedensten Ziele verfolgen, sic können außermenschlichen
Idealen dienen, der Größe Gottes, der Größe der Nation und ihrer
Herrschaft, sie können aber auch darauf ausgehen, eine Welt zu schildern, in
welcher die Menschen mit all ihren Fehlern und Gebresten so glücklich zu leben
vermögen, als es eben die natürlichen Grundlagen, Land und Meer, Rohstoffe
und Klima, Menschenzahl und Erfindungsgeist, Bildung und Arbeitswille gestatten.
Ob man nun dies Streben nach Glück, nach Seligkeit, nach Freude preist,
ob man 'es für niedrig und gemein erklärt, jedenfalls läßt sich das Glück als
Wirkung gesellschaftlicher Einrichtungen durdiaus wissenschaftlich behandeln.
Und gerade die Utopien der nächsten Jahre dürften der Entwicklung einer umfassenden
Glückslehre durchaus förderlich sein.
Sind wir uns einmal darüber klar, daß Utopien als gesellschaftstechnische
Konstruktionen uns vor vielen Irrgängen 'bewahren können, daß sie den Geist
gelenkig zu machen, ihn von seinen zufälligen Einfällen zu befreien vermögen,
dann müssen wir wohl fordern, daß unsere Schulen sich mit gesellschaftstechnischen
Konstruktionen beschäftigen. Es müßte freilich vermieden werden,
daß sich die Menschen auf eine bestimmte Utopie festlegen, es müßten vielmehr
ganze Gespanne von Utopien nebeneinander entworfen und untersucht
werden. Vor allem wird der gewaltige Schatz geschichtlicli gegebener Utopien
eine zweckmäßige Grundlage solchen Wissenschaftsbetriebs abgeben. An
ihrer Hand wird man die Frage erörtern können, welche Arten der Berufswahl,
der Entlohnung usw. denkbar sind, welche Kombinationen verschiedenartiger
Einrichtungen in Betracht kommen und ähnliches mehr. Vielleicht