Full text: Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

96 
Die Menschen im Betrieb. 
(Hierarchie und Disziplin). Sie ergeben sich beide mit der Vergrößerung der 
Betriebe aus zwingenden organisatorischen Gründen (Hauptteil C); die Schwie 
rigkeiten und Unzuträglichkeiten liegen jedoch darin, daß diese Rangstufung und 
das genaue Verhalten gemäß den gegebenen Anordnungen, wie es jeder Betrieb 
verlangt, häufig im Widerspruch stehen mit dem Willen der ihnen unterworfenen 
Menschen. Es muß also versucht werden, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den 
betrieblichen und den menschlichen Erfordernissen, was letzlich nur durch beider 
seitige Einsicht — der Leitung und der übrigen Betriebsangehörigen — geschehen 
kann, gleichzeitig aber auch eine dem Menschen würdige Personalverfassung des 
Betriebes voraussetzt. 
Es handelt sich bei den Fragen der betrieblichen Personalverfassung um die 
Gestaltung der äußeren Vorbedingungen, unter denen die Einordnung der Vielzahl 
von Menschen vor sich gehen soll sowie um die Betriebsatmosphäre und den Um 
gangston, die im Betriebe herrschen. Gerade das letztere kann selbst sonst unge 
eignete menschliche Vorbedingungen erträglich machen (wie ja die Sklavenherr 
schaft oft wesentlich menschlicher gehandhabt wurde als etwa die patriarcha 
lische Form, bei der das enge Verhältnis nicht selten — zwar allzumenschlich — 
unmenschlich war), während in Betrieben, deren äußere Personalverfassung im 
ganzen durchaus angemessen ist, durch die Kälte der Betriebsatmosphäre oder 
einen falschen Umgangston unerträgliche menschliche Spannungen vorhanden 
sein können. 
3. Die Betriebsatmosphäre. Es soll zunächst versucht werden, die Grundlagen 
der Betriebsatmosphäre zu klären. Sie ist gut, wenn die äußeren und inneren Be 
dingungen der betrieblichen Arbeit in Einklang stehen mit den allgemein bei den 
Betriebsangehörigen vorherrschenden Vorstellungen und Zielen ihrer Tätigkeit 
oder ihres Daseins überhaupt, wobei es natürlich eine weitere Frage ist, ob diese 
Vorstellungen, vom Standpunkt der Betriebsleitung, des Staates oder sonstiger 
Stellen aus, als angemessen bezeichnet werden können. Schon hieraus ergibt sich 
die Schwierigkeit einer eindeutigen Festlegung. Besteht jedoch zwischen den 
obigen Gegebenheiten ein Widerspruch, ein Riß, so wird mit Sicherheit die Be 
triebsatmosphäre in einiger Zeit sich verschlechtern, wobei der Grad und die 
Schnelligkeit von dem Bewußtwerden dieses Widerspruchs abhängen. Da dieses 
Bewußtsein durch äußere Umstände, durch Veränderung der politischen, wirt 
schaftlichen oder sozialen Lage, durch Aufklärung und Hetze beeinflußt werden 
kann, sind auch von hier aus die Schwierigkeiten der Schaffung und Erhaltung 
einer guten Betriebsatmosphäre nicht gering. Das soll in folgendem näher erläutert 
werden: 
Die Wirtschaft hat zum Ziel die Befriedigung eines äußeren Bedürfnisses. Die 
Durchführung dieses Zieles in den Wirtschaftsbetrieben kann dabei in verschie 
denen Formen vor sich gehen; sie kann stärker die wirtschaftliche oder die tech 
nische, die finanzielle oder die soziale, die schaffende oder die raffende, die dienende 
oder die nehmende, die verstandesgemäße oder die gemütvolle Seite betonen. 
Immer wieder ist versucht worden, durch sittliche Forderungen oder gesetz 
geberische Maßnahmen die eine oder andere Auffassung über die Art der Wirt 
schafts- und Betriebsführung zu pflegen oder zu unterdrücken. Immer wieder hat 
sich jedoch gezeigt, daß die Betriebsform mehr oder minder unabhängig ist von der 
betrieblichen Atmosphäre, von dem Wind, der hier wehte, von dem Geist, der 
zwischen den gemeinsam arbeitenden Menschen herrschte. 
Es ist die geistige Einstellung, die die im Betriebe arbeitenden Personen zu 
ihren Aufgaben, zu ihrer beruflichen Tätigkeit, zu ihren Mitarbeitern haben, der 
Sinn, der in dem Gesamtbetrieb lebendig ist, um die Einzelhandlungen zu ver 
binden, welcher die Beziehungen von Mensch zu Mensch und von Mensch zu
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.