Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Menschen  im  Betrieb.

zur  Schau  tragen  —  an  Sentimentalitäten  je  nach  Fall  appellieren  -—  Arbeit  zu  Gefallen  des
Vorgesetzten  leisten  —  keine  Selbständigkeit  zeigen  außer  der  gerade  erwünschten  partikularen“. ­
  Das  widerspricht  natürlich  dem  Leistungsprinzip  aufs  schärfste.
Oder:  das  Streben  nach  höchster  Rente  führt  dazu,  daß  die  menschliche  Arbeit  lediglich
als  Kostenfaktor  betrachtet  wird;  man  braucht  nur  die  Fähigkeiten  und  Kenntnisse,  menschliche ­
  Gefühle  oder  Persönlichkeitswerte  werden  lästig,  der  eingestellte  Arbeiter  „muß  gleichsam
seine  Seele  in  der  Garderobe  abgeben“.  (Sombart.)  Daraus  ergeben  sich  aber  Betriebsspannungen, ­
  die  sich  unmittelbar  als  Bilanzposten  niederschlagen.  Die  Verbannung  des
Menschen  aus  dem  Betriebe  wird  zur  Flucht  vor  dem  Betriebe,  die  Kräfte  werden  außerhalb
des  Betriebes  aufgebraucht  und  zwingen  so  den  Betrieb  zu  Maßnahmen  und  Notbehelfen,  die
vielfach  zu  einer  betrieblichen  Überorganisation,  zu  übertriebenen  Kontrollen  und  zu  kostspieligen ­
  außerbetrieblichen  Einrichtungen,  wie  eigene  Arbeiterverbände,  Wohlfahrtseinrichtungen, ­
  Sparkassen,  Konsumvereine,  Werkssiedlung,  Werkszeitungen,  Sport-  und  Geselligkeitsvereinen ­
  führen.
Oder:  Die  Forderung  nach  Leistungssteigerung  —  die  allen  Betrieben  innewohnt  —  ist
durch  verschiedene  Handhabung  der  Betriebsdisziplin  zu  verwirklichen:  einmal  durch  gegenseitige ­
  allgemeine  Unterstützung,  durch  Förderung  des  Ehrgeizes  und  sonstige  Anregungen,
oder  aber  durch  das  Reibungssystem,  das  heißt  durch  die  Schaffung  von  Zwischenorganen
und  Förderung  des  persönlichen  Ehrgeizes  nur  dieser  mittleren  Aufsicht  durch  Leistungsprämien. ­
  Das  erstere  Verfahren  bringt  zwar  im  allgemeinen  die  Leistungssteigerungen  nur
langsam,  dafür  aber  um  so  anhaltender  zustande,  da  ein  ruhiger,  gleichmäßiger  Betrieb
gewährleistet,  die  Instandhaltung  erleichtert,  großen  Reparaturen  ausgewiohen  oder  vorgebeugt ­
  werden  kann.  Das  System  der  Reibung  beruht  darauf,  daß  möglichst  viel  verantwortliche ­
  Vorgesetzte,  besonders  in  Zwischenstellungen,  geschaffen  werden,  die  finanziell  an  der
Leistung  beteiligt  sind.  Dadurch  werden  persönliche  Mißstimmungen  geschaffen,  da  die
Leistungsprämien  sich  in  einer  gesteigerten  Arbeitsaufsicht  und  Kontrolle  auswirken;  die
Akkorde  werden  angezogen,  die  Sollzahlen  hochgeschraubt,  oft  auf  Kosten  der  Betriebssicherheit ­
  und  der  Betriebskosten,  immer  aber  ohne  Rücksicht  auf  persönliche  Gefühle.  Die
fast  restlose  Ausnutzung  der  Ersparnismöglichkeiten  an  andern  Stellen  läßt  schließlich  als
einzigen  Faktor  der  Beeinflussung  immer  nur  den  Menschen  übrig.  Unzufriedenheit,  Verbitterung, ­
  Unfälle,  Erkrankungen,  Arbeiterwechsel,  Materialbruoh  usw.  sind  häufig  die  Folgen:
ganze  Streikbewegungen  hat  dieses  System  hervorgerufen.  Man  lese  hierzu  die  Erzählung  von
Werner:  Ein  Kumpel  (Berlin  1930),  die  an  Hand  des  Bergbaus  recht  deutlich  diese  Auswirkungen ­
  schildert  (besonders  S.  170ff.).  Es  ist  ähnlich  dem  System  des  Hechtes  im  Karpfenteich, ­
  nach  dem  eine  gewisse  Rivalität  unter  den  Angestellten  bis  hinauf  zu  den  Direktoren
wünschenswert  sein  soll,  um  das  Geschäftsinteresse  zu  heben.  Dagegen  setzt  jedoch  Payol
die  Meinung,  daß  „eine  schlechte  Interpretation  des  Sinnspruohes:  Trennen  um  zu  regieren“
durchaus  zu  verwerfen  ist.
Umgekehrt  muß  auch  die  Psyche  des  Betriebes  bei  der  Einführung  von  scheinbar  ganz
abseits  liegenden  oder  gut  gemeinten  Maßnahmen  sehr  eingehend  in  Rechnung  gestellt  werden.
So  ist  (wie  Hasenaok  feststellt)  die  „Betriebspsyche  eine  der  vielen  zu  beachtenden  Bedingungen ­
  bei  der  Ein-  und  Durchführung  der  Budgetidee,  und  man  muß  beider  Ausgestaltung
der  Budgetverfahren  auf  diesen  psychologischen  Faktor  Rücksicht  nehmen“.  Für  „die
praktische  Durchführung  und  den  glatten  Verlauf  eines  Budgetplans,  wenigstens  in  seinen
dem  Innenbetrieb  zugewandten  Bestandteilen  ...  ist  die  innere  Einstellung  der  Unterleiter
(Abteilungsleiter,  Betriebsingenieure)  und  der  letzten  für  die  Einhaltung  der  Budgetziffern
verantwortlichen  Stellen  (gegebenenfalls  bis  herunter  zu  dem  einzelnen  Reisenden,  Meister
oder  gar  Vorarbeiter)  zu  dem  System  und  der  ihm  zugrunde  liegenden  Idee  von  beträchtlichem
Wert.  Hier  muß  oft  Sabotage  oder  Gleichgültigkeit  durch  Erziehung,  Überzeugung  und
Überwachung  ausgeschaltet  werden,  was  die  Ausgestaltung  des  Budgetverfahrens  nicht  selten
erheblich  beeinflußt“.
Auch  bedingt  zum  Beispiel  die  traditionelle  Form  der  Betriebsleitung  eine  grundsätzlich
andere  Auffassung  dem  Menschen  gegenüber  als  etwa  die  rationale:  Die  Mitarbeiter  gehen
einmal  ein  mehr  persönlich  gefärbtes  Arbeitsverhältnis  ein  ...  Sie  bleiben  Menschen,  obwohl ­
  sie  Lohnarbeiter  oder  Angestellte  sind.  „Die  menschlichen  Beziehungen  herrschen  im
Betriebe  und  setzen  sich  über  diesen  hinaus  fort:  Der  Unternehmer  nimmt  teil  an  ihrem  Wohl
und  Wehe,  feiert  Feste  mit  ihnen  und  kennt  ihre  Familien.“  (Sombart.)  Die  Beziehungen
können  natürlich  auch  „unmenschlich“  sein,  brutal,  willkürlich,  despotisch;  sie  sind  auch
keineswegs,  was  wieder  im  Charakter  der  Menschen  begründet  ist,  immer  gut  oder  herzlich
oder  freundschaftlich  gewesen.  Menschlich  oder  allzumenschlich  aber  waren  sie  immer.  Es
sind  die  Eigenschaften  des  Gemüts,  die  der  traditionelle  Betrieb  anzusprechen  versucht.
Der  rationalisierte  Betrieb  dagegen  versachlicht  den  Menschen;  weder  die  Person  des
Betriebsinhabers  oder  Leiters,  noch  des  einzelnen  Angestellten  oder  Arbeiters  sind  von  Bedeutung ­
  für  den  Betriebsablauf.  An  die  Stelle  der  persönlichen  Fühlungnahme  tritt  das
jeweilige  „System  der  wissenschaftlichen  Betriebsführung“.  Der  Betrieb  ist  keine  Gemein ­
            
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