Die betriebliche Personal Verfassung.
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Aufgabe formt. Dieser Geist wirkt sich aus vor allem in der Leitung, in den per
sönlichen und sachlichen Zwecksetzungen und Grundsätzen, in der Art der Herr
schaftsausübung und Entlohnung, in der persönlichen Anteilnahme und der Wahl
der Arbeitsmittel und -technik, in den Formen des persönlichen Umgangs und der
dienstlichen Anweisungen, der Formulartechnik, der Art und Schärfe der Kon
trollen und Überwachung, kurz in allen betrieblichen Handlungen.
Persönlicher Ausdruck dieses Geistes sind die Unternehmer, die als Präsidenten,
Generaldirektoren oder Geschäftsführer Vorbild und Ausfluß der jeweiligen gei
stigen Einstellung sind. Sie geben der gesamten Betriebshierarchie das Gepräge;
vertreten sie den Herr-im-Haus-Standpunkt, so sind auch die Abteilungsleiter
kleine Herren. Gerade bei den Verbindungsgliedern zwischen der Leitung und der
Gefolgschaft tritt die geistige Prägung des Betriebes am schärfsten in Erscheinung.
Sie vermitteln und überwachen die Übertragung und Einhaltung der gesetzten
Vorschriften und Anordnungen; als Inspektoren, Werkmeister, Betriebs- und
Büroleiter, Chefkonstrukteure, Terminjäger, Abteilungsvorsteher, Prokuristen u. ä
bilden sie die Stufenfolge der Betriebsfunktionäre, deren Art des Auftretens der
Masse der Mitarbeiter als greifbarer Anhalt des herrschenden Geistes erscheint.
Immer gilt es, den Unterschied der Lebensziele zwischen dem Unternehmer und
der Gefolgschaft, die, unter ganz verschiedenen äußeren Umständen lebend, ganz
verschiedene Vorstellungen und Wünsche haben, gering zu halten, nach Möglich
keit ganz auszuschalten.
Die Beurteilung der Betriebsatmosphäre muß von verschiedenen Wirkungen
ausgehen. Einmal ist es die Hypothese selbst, die, beeinflußt durch die herrschende
Weltanschauung und die daraus sich ableitende Wirtschaftsauffassung, in den
verschiedenen wirtschaftlichen und rechtlichen Formen der Betriebe zum Ausdruck
kommt; diese Form drückt und preßt den, der hineingezwängt wird. Zum andern
ist es der Geist, der von den einzelnen Menschen im Betriebe ausgeht, der unab
hängig ist von der rechtlichen Form und unabhängig von der hypothetischen Ziel
setzung, wie sich immer wieder herausgestellt hat; es ist dies der Wind, der im
Betriebe weht, der Umgangston, der unter den Betriebsangehörigen herrscht.
Zum letzten aber ist es nicht nur die psychische Seite der Menschenbehandlung,
sondern auch die physische, die die Atmosphäre beeindruckt: eiskalte, nüchterne,
unzweckmäßige Raum- und Arbeitsplatzgestaltung ertötet die Freude an der
Arbeit und am Leben.
So hat z.B. das Postulat der Freiheit, das in der liberalen Ordnung zum Leitsatz des
Wirtsohaftens erhoben wurde, im Laufe der Zeit eine merkwürdige Verwirrung hervorgerufen.
Unter Freiheit muß jeder Mensch etwas anderes verstehen. Wenn der Betriebsleiter einerseits
die Freiheit der Entschlüsse für sich fordert, so muß er notgedrungen auf der anderen Seite
die unbedingte Unterordnung der Betriebsangehörigen verlangen, da sonst eben seine eigenen
Entschlüsse nicht frei sind. Damit kommt die voll-autokratische Betriebsverfassung der
liberalen Zeit zustande, die zwar die einzig mögliche eines rationellen und arbeitsteiligen
Betriebes ist, jedoch im schärfsten Gegensatz zum Postulat der Freiheit dieser gleichen
liberalen Auffassung steht. Der einzelne Betriebsangehörige zudem, gleichfalls nach der
Freiheit strebend, lehnt sich auf gegen die einseitige Befehlsgewalt; er versucht dem ver
schärften Betriebskommando durch die Forderung nach verkürzter Arbeitszeit auszuweichen,
um eine möglichst große Freizeit zu erlangen. Dies widersteht aber wiederum der unter
nehmerischen Freizügigkeit.
Oder: die Forderung nach höchster Leistung hat durch die Versachlichung und Rationali
sierung der Betriebe die steigende Betriebsgröße und Mechanisierung ausgelöst. Natürlich
sollte —nach den Wünschen der Leitung —-auch jeder Betriebsangehörige als oberstes Leitziel
die Leistungssteigerung haben; als Anregung versprach man ihm Leistungslohn und Leistungs
aufstieg. Der durch che Betriebsgröße und Mechanisierung bedingte bürokratische Apparat
aber begünstigt oft ganz andere Eigenschaften des Vorwärtskommens. Br erfordert, um mit
Jaspers zu sprechen „die Gewandtheit, sich beliebt zu machen. Man muß überreden, ja
bestechen — dienstfertig sein, unentbehrlich werden, schweigen, hintergehen, etwas und nicht
zu viel lügen — unermüdlich in der Auffindung von Gründen sein — bescheidene Gebärde
Prion, Die Lehre vom Wirtschaftabetrieb. III. 7