Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Organisation.

betriebe  —  ist  meist  der  einzelne  Mensch  (ohne  daß  dieser  jedoch  als  unbedingte
Untergrenze  ohne  weiteres  angesehen  werden  müßte).
Der  tiefste  Grund  dieser  organisatorischen  Wirkungssteigerung  liegt  einmal  in
der  Möglichkeit  der  Auslese  nach  Menge  und  Güte  und  Ausbildung  der  Handelnden ­
  nach  ihrer  Höchstleistungsfähigkeit.  Ferner  in  der  Lieferung  und  Verstetigung
von  Mehrleistungen  auf  Grund  des  Gedankengutes  der  höher  befähigten  und  besser
gewillten  oder  geschulten  Kräfte,  indem  durch  Schaffung  von  Vordrucken,  Anweisungen, ­
  Vorschriften  auch  den  untersten  und  einfältigsten  Gliedern  des  Betriebes ­
  einwandfreie,  sichere  und  hochwertige  Arbeit  zugemutet  werden  kann.
„Die  subjektive  Erfahrung  und  Genialität  wird  durch  Schablone  und  Tradition
ersetzt“,  sagt  Bogdanow 1 .  Weiter  liegt  es  in  der  zweckmäßigen  Auswahl  der  im
Sinne  des  Ganzen  besten  Stoffe  und  Verfahren,  die  nicht  ein  Maximum,  sondern
ein  Optimum  an  Güte  bedingt.  Zuletzt  aber  besonders  in  der  Tatsache,  daß  die
Arbeitsausführung  durch  eine  Mehrzahl  oder  eine  Masse  von  Personen  (Arbeitsteilung), ­
  die  an  sich  eine  Steigerung  der  Leistung  zuläßt,  nur  mittels  organisatorischer ­
  Maßnahmen  geschehen  kann.  Es  müssen  die  körperlichen  und  geistigen ­
  Einzelleistungen  nicht  nur  summiert,  sondern  auch  gleichgerichtet  und
zeitlich  und  örtlich  richtig  angesetzt  —  geordnet  —  werden,  um  überhaupt  das
Ziel  zu  ermöglichen.  Hier  ist  auch  der  Kern  des  „Organisationswertes“  zu  suchen,
der  eben  als  Summenunterschied,  als  Wert  der  eingeleiteten  und  festliegenden  Beziehungen, ­
  der  Kenntnis  und  Einspielung  der  Beziehungen,  der  Vertrautheit  mit
dem  Erzeugnis  und  seinen  Eigenschaften,  auch  seitens  der  Umwelt,  der  aufeinander ­
  und  mit  den  Einrichtungen  des  Betriebes  eingespielten  Belegschaft  usf.  zu
gelten  hat,  und  der  „nicht  so  sehr  an  der  Persönlichkeit  der  leitenden  Männer  liegt
als  an  den  bleibenden  Ergebnissen  der  von  ihnen  ausgeübten  Erziehung  und  den
von  ihnen  eingeführten  Methoden“ 1  2 .
In  guter  Übereinstimmung  ist  die  hier  gegebene  Begriffsbestimmung  mit  Münsterberg,
der  sagt:  „Gleichviel,  ob  es  sich  um  eine  Eheschließung  oder  eine  Vereinsbildung  handelt,  um
eine  Parteiorganisation  im  Heer  oder  Staat,  stets  werden  mit  Bewußtheit  Aufgaben  angestrebt, ­
  die  der  einzelne  oder  ein  großer  Haufen  Vereinzelter  zu  erfüllen  außerstande  wäre 3 .“
Oder  auch  mit  Schultze,  der  Organisieren  das  „planmäßige  Zusammenordnen  von  Menschen
und  Einrichtungen  zwecks  Steigerung  der  Wirkungskraft  menschlicher  Anstrengungen“ 4
nennt.
Die  Folgerungen  Erdmanns 5 ,  daß  „Zielstrebigkeit“  und  „Planmäßigkeit“  oder  auch
„die  Regelung  der  Verhältnisse  von  Mensch  zu  Mensch  oder  von  Mensch  zu  Gegenstand“ 6
als  begriffliche  Merkmale  anzusehenseien,  müssen  abgelehnt  werden;  siesindnichtkonstitutive
Eigenschaften  der  Organisation.  Nach  von  der  Pfordten  heißt  organisieren,„eine  Mehrzahl
verschiedener  Menschen  aus  einer  bloßen  Summe  in  eine  lebendige,  zweckvolle  Gemeinschaft
verwandeln“ 7 ,  worin  sich  wieder  das  Merkmal  der  Überwindung  der  „bloßen  Summe“  und
das  Gemeinsohafts-  (Ganzheits-)  Handeln  findet.
Leitner  gibt  gleich  mehrere  Begriffe  zur  Auswahl:  „Organisieren  heißt  die  ...  notwendigen ­
  Betriebsmittel  planmäßig  auf  die  einzelnen  Organe  verteilen“ 8 ;  heißt,,planmäßige  Ordnung, ­
  Verbindung  und  Regelung  durch  den  gemeinsamen  Zweck  zusammengefaßter  Tätigkeiten“, ­
  „formbildendes  und  formgebendes,  regulierendes  Ineinandergreifen  und  Zusammenwirken ­
  der  Glieder  eines  Ganzen“ 9 .  Er  umschreibt  damit  nur  die  organisatorischen  Verfahren
und  gibt  eine  bildhafte  Andeutung  des  organisatorischen  Geschehens.
Einfache,,Zweckerreichung“ 10  oder,,  beste  Erfüllung  ihrerZweckbestimmung“ 11  oder  auch;

1  Bogdanow:  Bd.  I.,  S.  10.
2  Gantt:  Organisation  der  Arbeit,  S.  36.  Berlin  1922.
3  Münsterberg:  Psychologie  und  Wirtschaftsleben,  S.  231.  Berlin  1914.
4  Schultze:  Organisation.  Handw.  d.  Arbeitsw.I/II,  herausgegeben  von  Giese.  Halle
1927/30.
5  Erdmann:  S.  2.  6  Erdmann:  S.  6.  7  von  der  Pfordten:  S.  11.
8  Leitner:  Wirtschaftslehre  der  Unternehmung,  S.  72.
9  Leitner:  S.  277.  10  Calmes:  S.  7.
11  le  Coutre:  Betriebsorganisation  (der  an  der  gleichen  Stelle  eine  zwar  sehr  lange,  dafür
aber  um  so  unbrauchbarere  Kennzeichnung  gibt),  S.  15.
            
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