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Die Organisation.
Wissenschaftszweige, die Physiologie, die Charakterkunde und die Psychologie,
bemühen sich um die Klarlegung des menschlichen Wesens und werden auch unmittelbar
— in der Psychoanalyse, der Psychotechnik, der Psychotherapeutik, der
Hygiene u. a. — in den Dienst der betrieblichen Organisation gestellt.
Mensch und Betrieb beeinflussen sich wechselseitig; handwerkliche und geistige,
praktische und theoretische, technische und kaufmännische Fähigkeiten
werden je nach den Eigenschaften des Menschen oder der Betriebsart verwendet;
ungelernte, angelernte und gelernte Hand- und Kopfarbeiter, leitende, verfügende,
konstruierende, kalkulierende, verwaltende Kopf- oder Geistesarbeiter spielen je
nach der Art und Form des Betriebes oder dem Geschäftszweig eine verschieden
wichtige Rolle. Das Erkennen und die sinnvolle Eingliederung der menschlichen
Eigenheiten, die einerseits ausgenutzt, andererseits unterdrückt werden müssen,
bildet eine der schwierigsten organisatorischen Fragen. Die verschiedenartigsten
Triebe müssen unterdrückt oder gefördert, die eigenartigsten Gefühle gepflegt
oder ausgeschaltet werden.
So steht am Anfang der Klärung jeder betrieblichen Organisation die Lehre
vom Menschen, die Menschenkunde. An- und Zuordnung von menschlicher Arbeit
bedeutet immer eine Beeinflussung der Organisation, die nicht nur greifbarkörperlich,
sondern fast mehr noch geistig-seelisch fühlbar wird. Damit muß am
Beginn die Kenntnis des Charakters und der Psyche im allgemeinen und die der
jeweils Betroffenen in ihrer besonderen Umgebung stehen.
Wenngleich die allgemeine Psychologie und Charakterkunde in den letzten
Jahren Fortschritte machen konnte, ist doch ihre Anwendung auf den Wirtschaftsbetrieb
und besonders auf die Organisation in ihm noch selten. Die bisherigen
wirtschaftspsychologischen Untersuchungen beschränken sich fast immer
auf die Untersuchung der beruflichen Eignung; der Natur der Sache nach werden
die Gebiete der körperlichen und geistig-seelischen Eignung — vor allem in den
technischen Betrieben — wegen ihrer verhältnismäßigen Einfachheit und Sinnfälligkeit
stark bevorzugt. Fast das gesamte psychotechnische Schrifttum seit
Münsterberg könnte hier zum Beweis angeführt werden. Wichtiger jedoch als
die Frage nach der Eignung und die abgeschliffene Phrase vom rechten Mann am
rechten Fleck 1 ist die Erzielung erstrebter psychischer Wirkungen (wie Münsterberg
sich ausdrückt). Die Schwierigkeit besteht darin, den Menschen reibungslos
den sachlich-ideologisch-personellen Gegebenheiten des Betriebes einzugliedern.
Dabei ergeben sich sofort zwei Gegensätze: entweder paßt sich der Mensch
den gegebenen Bedingungen an, ordnet sich ihnen ein unter Verzicht auf eigenpersönliche
Wünsche und Gefühle, oder aber die betriebliche Umwelt wird dem
physisch-psychischen Zustand des Menschen angeglichen.
Ähnlich nennt Giese diese beiden Richtungen in der etwas engeren wirtschaftspsychologischen
Betrachtungsweise,.Subjekts“- und,,Objektspsychotechnik“und stellt fest, daß bisher
die erstere vorgeherrscht habe, daß aber notwendig die Weiterführung in Richtung der
letzteren liegen müsse 2 .
Wenden wir uns dem Menschen selbst zu, so erkennen wir, daß die Abstufung
menschlicher Charaktere nicht nur bunt und vielgestaltig, sondern auch
stetig wechselnd ist. Jede Beleuchtung zeigt eine andere Farbe, jeder Einfluß
schafft andere Wirkungen, jede Zeit trifft andere Menschen. Neben die Vielwertigkeit
tritt die Doppelwertigkeit (Ambivalenz, nach Klages) als bedeutende
Erschwerung der Erkenntnis der Charaktere im Hinblick auf die organisatorischen
Gegebenheiten.
3. Die Funktionsbildung. Hauptschwierigkeit und Hauptbestreben aller betrieblichen
Organisation — und zugleich eine wichtige Frage der Aus- und Fort-Giese:
Methoden . . ., S. 4/ö.
1 Giese: Methoden..., S. 3.