Die Ordnung als organisatorisches Verfahren.
137
werden müssen und die Voraussetzungen dazu notwendig. Endlich muß das Be-
suchs- und Meldewesen geordnet sein, die Begleitung von Besuchern, die Aus
stellung von Ausweisen für Besichtigungen festgelegt werden 1 , für die oft be
sondere Stellen gebildet werden, welche die hin und wieder riesigen Besucher
ströme in festgelegte, gleichbleibende Bahnen leiten. (Bei der Adam Opel AG. sind
außer den Geschäftsbesuchern jährlich etwa 12 000 Neugierige zu befriedigen, was
in großzügiger Weise und natürlich auch im Geschäftsinteresse geschieht.)
Für genau voraussehbare Pflichten und regelmäßig in gleicher Weise wieder
kehrende Obliegenheiten, die ohne besonderen Befehl erledigt werden sollen, wer
den Dienstanweisungen herausgegeben oder nach eingehenden Arbeitsstudien
Arbeitsanleitungen für besondere Arbeiten, etwa Buchhaltung, Lager Verwaltung,
Expedition, Schriftverkehr, Registratur, Maschinenbehandlung, Werkzeugbenut
zung usw. zusammengestellt (s. auch das Punktions- (Unterweisungsmeister-)
System nach Taylor). Hier sind bereits deutliche Hinweise auf die Arbeitsteilung
erkennbar, deren Darstellung dem nächsten Abschnitt Vorbehalten bleibt. Die
richtige Reihenfolge der Arbeiten und die Feststellung eines bestimmten Tages
programms und Tagespensums ist zwar nur bei verhältnismäßig sehr starren
Arbeiten möglich (bei Behörden), jedoch sind auch in Großbetrieben derartige
Festlegungen wichtig, da sie nicht nur eine Kontrolle der einzelnen Tätigkeiten,
sondern auch der sie erledigenden Personen ermöglicht, „das Einarbeiten von
Neulingen wesentlich erleichtert und den Betrieb unabhängig von den einzelnen
Angestellten macht“ 1 2 . Für besonders verantwortungsvolle Tätigkeiten, wie z.B.
die Tätigkeit des Vorstandes, die Revision eines Großbankbetriebes oder das
Einkaufswesen in Warenhäusern, sind sehr genaue Dienstanweisungen vorge
sehen 3 . Diese schriftlichen Ordnungen werden häufig durch bildliche Darstellungen
(Schaubilder, Funktionspläne) ergänzt, welche die Beziehungen zwischen den
Personen, Dienststellen, Gegenständen, Handlungen, zeitlichen Folgen usw. zeich
nerisch darstellen 4 . Als Beispiel sei eine Vorstands-Geschäftsordnung aus der
Praxis angeführt.
Geschäftsordnung für den Vorstand, erlassen vom Aufsichtsrat der
Das Direktorium der Gesellschaft setzt sich zur Zeit zusammen aus: dem Vorsitzenden des
Vorstandes, Herrn Dr dem stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn F der
technischen Oberleitung, welche gebildet wird aus den Herren S und W den
ordentlichen Vorstandsmitgliedern und denjenigen Prokuristen, denen gemäß § 15 des Ge
sellschaftsvertrages vom Aufsichtsrat die Stellung „Stellvertretender Direktor“ übertragen ist.
Dem Vorsitzenden, Herrn Dr ist die Befugnis zur alleinigen Vertretung der Gesell
schaft vom Aufsichtsrat erteilt worden; hieraus erhellt seine Stellung gegenüber den übrigen
Mitgliedern des Vorstandes; sie entspricht der des Aufsichtsrates zu ihm gemäß § 14, Abs. 1
des Gesellschaftsvertrages. Es liegt ihm die oberste Leitung des gesamten Geschäftsbetriebes
ob, insbesondere in bezug auf die Einteilung der Geschäftsführung, die Zuweisung der Res
sorts usw.
Zu seinem Stellvertreter ist vom Aufsichtsrat Herr F ernannt worden. — Die
Einteilung der Geschäftsführung usw. wird der Vorsitzende nach vorhergehender Beratung
mit den in Frage kommenden Vorstandsmitgliedern vornehmen und sie dem Aufsichtsrats
vorsitzenden zur Kenntnis und Genehmigung unterbreiten. — Abänderungen bedürfen der
Zustimmung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, sofern sie nicht vorübergehender Natur oder
unerheblich sind. Eine vorläufige Geschäftseinteilung des Vorstandes wird hier beigefügt.
Versetzungen eines Vorstandsmitgliedes oder eines Abteilungsleiters sind vom Vorsitzenden
1 Czekalla gibt (Die Hausgesetze ..., S. 32-—49) eine Reihe von Beispielen und Vor
drucken an.
2 Grull: S. 17.
3 Czekalla gibt auf S. 52—71 eine Anweisung zur Führung der Buchhaltung, auf S.71—83
Bestimmungen über Annahme, Überweisung und Entlassung von Arbeitern, auf S. 83—86
über den Versand. Weitere Beispiele sind enthalten in Czekalla: Die Einkaufsabteilung. —
Die Organisation der Registratur. — Die Organisation des Lagerwesens. — Sämtlich Berlin.
4 S. hierzu Nordsieck: Schaubildliche Erfassung ... Gfür O-Sohriftenreihe, Bd. 4,1932.