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Die Organisation.
Als weiteres Merkmal ist die Untergliederung nach Funktionen, d. h. nach den
Beziehungen zwischen den einzelnen Personen und den ihnen zugewiesenen Auf
gaben zu nennen. So kann etwa der gesamte betriebliche Leistungsvollzug unter
schieden werden als Planung, Ordnung und Durchführung (wobei die Durchfüh
rung wieder in Leitung und Ausführung zerfällt). Die Entwicklung der Wirtschafts
betriebe geht dahin, jeweils eine vollkommene Funktionalisierung, d. h. eine Über
deckung von Mensch und Aufgabe durch je eine Funktion, zu erreichen. So wer
den etwa nach und nach von dem Unternehmer alle anderen Funktionen außer
der „Veranlassung“ (Disposition) abgestoßen: er nimmt die Pläne anderer ent
gegen, veranlaßt sie, überläßt aber Leitung und Ausführung wiederum anderen 1 .
„Der Leiter einer Unternehmung ist heute der Mann, der auf den Knopf drückt 1 2 .“
Es entstehen spezialisierte Fachleute der Arbeitsvorbereitung und Überwachung
und dadurch eine Leistungsmechanisierung 3 , welche fast jede Stelle im Betriebe
ersetzlich und erlernbar macht und eine genaue Beauftragung sogar an betriebs
fremde Personen ermöglicht (näheres unter Leitung).
Eine Aufteilung der Aufgaben ist aber ebenso lediglich nach der Art der zur
Verfügung stehenden Personen üblich und in der Praxis fast durchweg in den
höheren Stellen zu finden. Auch hieraus entwickeln sich mit der Zeit besondere
Berufe. Wesentliche Gesichtspunkte für die Aufteilung sind persönliche Nei
gungen, Wichtigkeit, Dringlichkeit oder sonstige Merkmale, wie zum Beispiel
Sonderkenntnisse auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft, der Sprach- und Rechen
fertigkeit, der Handfertigkeit, Zeichen- und Maltalent usw. Auch besondere
Körperkraft, angenehmes Äußere oder geistige und körperliche Gewandtheit, vor
allem aber die erhaltene Ausbildung und Vorbildung sind immer wieder als Gründe
für die Zuweisung besonders geeigneter Aufgaben festzustellen. Einleuchtend,
aber sicher auch im Hinblick auf die geistige Betriebsharmonie gefährlich, ist die
oft zu beobachtende Ausgliederung und Zuteilung besonderer Aufgaben an Per
sonen mit Beziehungen verwandtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer Art
(ein näheres Eingehen wird bei der Darstellung der Leitung noch notwendig sein).
Selbstverständlich ist die Ausnutzung dieser Beziehungen vom organisatorischen
Standpunkt aus völlig einwandfrei und sogar geboten. Eine andere Frage ist, in
welchem Umfange sie angewendet wird, da auch die Leistung der betreffenden
Personen bzw. die Leistung des gesamten Betriebes beachtet werden muß; nur die
Überspannung des Beziehungsprinzips und damit die Vernachlässigung des Lei
stungsgedankens hat zu den häufigen Mißverständnissen und Mißständen geführt.
Das Merkmal der Aufgabenzuteilung nach der Person ist nicht nur fast allgemein
in den höheren Stellen möglich, sondern auchnach Betriebszweigen herkömmlicher-
weise (z. B. im Einzelhandel) sehr verbreitet. Eine Gefahr bedeutet die immer
entstehende Lücke beim Ausscheiden, da dann unter Umständen wesentliche Um
gruppierungen notwendig werden 4 .
V. Die Aufgabenverkettung.
1. Wesen und Bedeutung. Waren die bisher behandelten Organisationsverfahren
der Auswahl, Ordnung und Gliederung als vorbereitende Maßnahmen anzu
sprechen, so erwächst dem nunmehr zu behandelnden Vorgang der Verkettung die
Aufgabe, diese Vielzahl und Vielgestaltigkeit zu einer Einheit zu verbinden, sie
auf das gemeinsame Ziel auszurichten und ihr dauerndes Zusammenwirken zu
gewährleisten. Das erstrebte Betriebsziel soll dabei nicht nur in der erforderlichen
1 Häussermann: S. 13; s. auch Baumgardt: S. 66/67.
2 Sombart; Hoohkapitalismus, S. 904. 3 Gerhardt: S. 66.
4 Nordsieck: Aufgabenverteilung und Instanzenbau im Betrieb. Die Betr.-Wirtsch. H. 7
(1931) S. 207.