Wesen und Bedeutung.
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in dem rechtzeitigen und dem Bedarf angepaßten Einkauf der Boh- und Hilfsstoffe sowie
in deren zweckmäßiger Lagerung, in der rechtzeitigen Hereinholung der für die Beschäftigung
der Betriebsmittel erforderlichen Aufträge;
in der der Liquidität und Sicherheit angepaßten Verfügung über die Geldmittel, in der
rechtzeitigen und günstigen Beschaffung der Kapitalien;
und nicht zuletzt: in der besten Einsetzung der Arbeitskräfte, in einer die Mitarbeiter zu
friedenstellenden Entlohnung und ihrer wirksamen Zusammenfassung zur Betriebsgemein
schaft.
Diese Fülle von Stellen, an denen die Wirtschaftlichkeit beachtet werden kann
und muß, zeigt zugleich, wie schwierig es häufig ist, festzustellen, ob und in welchem
Maße dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit Rechnung getragen ist und wie
schwierig es ist, brauchbare Maßstäbe für ihre Messung zu finden (vgl. II und III).
Nichtsdestoweniger ist es für jeden Wirtschafter wichtig, nicht nur die Gesetze der
Wirtschaftlichkeit zu beachten, sondern auch zu versuchen, ihre Verwirklichung
zu erkennen. Nur dann ist er in der Lage, die höchstmögliche Leistung aus seinem
Betriebe herauszubringen und sich im Wettbewerb zu behaupten oder gar einen
Vorsprung zu erzielen. Aber auch die Gesamtwirtschaft fordert ein sparsames
Umgehen mit den Rohstoffen, die pflegliche Behandlung der Anlagen und Steige
rung der Leistungen, insbesondere in Deutschland, dem nicht alle Stoffe in be
nötigtem Umfang zur Verfügung stehen.
Die Erklärung des Begriffes der Wirtschaftlichkeit wird im Schrifttum entsprechend der
Grundeinstellung der Verfasser sehr verschieden vorgenommen: Schär unterscheidet die
Wirtschaftlichkeit und das von den Wirtschaftsbetrieben verfolgte Gewinnprinzip. Wirt
schaftlichkeitist die Verwirklichung des ökonomischen Verhältnisses der Kosten zu dem volks
wirtschaftlichen Nutzen der erzeugten Güter. Das Gewinnprinzip bezweckt die Herbei
führung einer größtmöglichen Spanne zwischen Einkaufspreisen und Kosten des Betriebes und
andererseits dem Gelderlös. Durch die Konkurrenz erfolgt jedoch der Ausgleich der beiden
Grundsätze. Nach Nickiisch ist die Wirtschaftlichkeit in erster Linie durch das mengen
mäßige Verhältnis von Ausbeute zum Einsatz des Betriebes (also durch die Material-Wirt
schaftlichkeit) bestimmt. (Aus den Erträgen, d. h. dem Unterschied zwischen Erlösen und
Materialaufwendungen erfolgt die Bezahlung der Löhne und Zinsen; was übrig bleibt ist der
Unternehmergewinn.) Der Gewinn wird durch die Wirtschaftlichkeit bestimmt. Schmal en-
bach kennzeichnet die Wirtschaftlichkeit als das Verhältnis von Erträgen und Aufwendungen
eines Zeitabschnitts unter Ausschaltung der betriebsfremden, sog. neutralen Erträge und Auf
wendungen. Der Gewinn ist das Zeichen der Wirtschaftlichkeit. Die Erfolgsrechnung hat zum
Ziel, festzustellen, in welchem Grade sich die gesamte mit der Güterbesohaffung verbundene
Arbeit wirtschaftlich vollzieht. Geldmacher stellt gleichberechtigt nebeneinander die Wirt
schaftlichkeit der Leistungserstellung, d.h. die Betriebs-Wirtschaftlichkeit, und die Wirtschaft
lichkeit der Ertragserzielung, d.h. Erhaltung eines Kapitals von gleicher Kaufkraft. Nach
Lehmann ergibt sich die Gesamtwirtsohaftlichkeit als Produkt der drei rechnerisch ermittel
baren Teilbegriffe: Technische Produktivität, wirtschaftliche Produktivität und Marktanpas
sungsgrad. Technische Produktivität ist das mengenmäßige Ausbringungsverhältnis (Material-
Wirtschaftlichkeit); wirtschaftliche Produktivität ist die Kraft des Betriebes, mit wirtschaft
lichen Geldkosten Leistungsgütermengen hervorzubringen (Verhältnis der mengenmäßigen
Leistung zur Einheit der Kosten); der Marktanpassungsgrad ist das Verhältnis der Geldwerte
der erzeugten Leistungsgütermengen zu denen der verbrauchten Kostengütermengen (in
unserem Sinne: die Kostenrate).
2. Wirtschaftlichkeit und Gewinn. Der Wirkungsgrad. Dem aufmerksamen
Leser wird nicht entgangen sein, daß bis jetzt immer nur von Wirtschaftlichkeit
und nicht etwa von Gewinn die Rede gewesen ist. Weil diese beiden Begriffe
nicht immer auseinandergehalten werden und der Zusammenhang, der sie ver
bindet, nicht immer richtig erkannt wird, wollen wir — in Anlehnung an unsere
Ausführungen im ersten Buche -—- hier noch einmal eine Klarstellung vornehmen.
Sie ist nicht nur eine Angelegenheit der Begriffsbestimmung, sondern auch deshalb
wichtig, weil die Tatbestände, die beiden Begriffen zugrunde liegen, einer weit
gehenden Beurteilung unterliegen und vielfach zum Ausgangspunkt wirtschafts
politischer Zielsetzungen gemacht werden.
Wir sprachen von der Betriebs-Wirtschaftlichkeit und wollten dadurch zum
Prion, Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb. III. 13