fullscreen: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

181 
was dasselbe sagt, sieh um ihre erste Grösse nach Maassgabe 
des Zeitverlanfs vermehren. Ijetzteres crgiebt die einfache 
Zahlenreihe, während ihr die Reihe gegonübersteht, die durch 
fortwährende Vervielfältigung mit zwei gewonnen wird. Es ist 
herkömmlich, auf diese Reihen besonderes Gewicht zu legen 
während sie in der That sehr gleichgültig sind und am aller 
wenigsten eine genaue mathematische Vorstellungsart repräsen- 
tiren. Auch für Malthus waren sie nur vage Bilder, die einen 
an sich nicht allzu klaren Gedanken um Nichts verbesserten. 
Scharf ist an demselben fast gar nichts gedacht; denn die Reihe 
der Zahlen, in welcher sich mit dem Zeitverlauf die Nahrungs - 
mittel im günstigsten Falle sollen steigern lassen , wird sofort 
zum greifbarsten Widersinn, wenn man dieselbe ins Unendliche 
gehen lässt. Die Erde würde für diese Malthussche Nahrung 
bald keinen Platz zur Aufspeicherung bieten. Soll aber die 
Reihe nicht unbeschränkt gelten, dann fragt es sich , wo man 
ihr die Grenze zu setzen habe, und Malthus in seinem verwor 
renen Vorstellen hat hiefür keine Antwort. Indessen wollen 
wir ihm, der mehr an Predigen und unstät schweifende Vor 
stellungen gewöhnt war, seine dürftigen, sogenannten mathe 
matischen Ausdrucksformen nicht zu scharf prüfen. Es wäre 
dies verlorene Mühe. Wir wollen ihm im Gegentheil nach 
helfen und seine Bilder nur als das nehmen, was sie waren 
nämlich als Versuche, ein Verhältniss anzudeuten, über das er 
sich bei seiner rohen Gedankenverfassung nicht präciser auszu - 
lassen vermochte. 
Lassen wir also die beiden Reihen und untersuchen wir 
die Begriffe. Die Bevölkerung soll sich nicht wirklich so ver 
mehren, wie es geschehen würde, wenn die Geschwindigkeit 
ihres Zuwachses der Aufhäufung von Zinseszinsen ähnlich wäre. 
Sie soll vielmehr hiezu nur das Bestreben haben, an der Ver 
wirklichung des letzteren aber durch den Mangel der Nahrungs 
mittel gehindert werden. Der einfache Sinn der Idee ist also 
nichts Anderes, als dass die Menschen von Natur getrieben wer 
den, die Grenze der jedesmal gegebenen Nahrungsmittel, ja aller 
möglichen Nahrungsbeschaffung zu überschreiten. Nach welchem 
Naturgesetz die Nahrungsmittel wachsen mögen, darum beküm 
mert sich ein Malthus nicht weiter. Das Verhältniss oder viel 
mehr Missverhältniss zwischen beiden steht ihm nicht blos als 
Thatsache, sondern als immerwährende Naturnothwendigkeit
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.