Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  Betriebsarbeit.

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sich  dagegen  ganz  vom  Stofflichen  gelöst;  sie  hat  es  nur  noch  mit  abstrakten  Geldsummen  zu
tun  und  trägt  dadurch  in  besonderer  Weise  das  Merkmal  der  Rechenhaftigkeit  (das  Sombart
der  kapitalistischen  Unternehmung  zugrunde  legt).  Freilich:  sieht  man  näher  zu,  dann  stehen
hinter  den  Wechseln,  Effekten,  Beleihungen  und  Forderungen  doch  wirkliche  Dinge:  Menschen,
Waren,  Grundstücke,  Fabriken,  Verkehrsmittel  u.  a.  m.;  aber  sie  erscheinen  dem  Bankmann
in  Geld,  Kapital  und  Renten.
4.  Die  kaufmännische  Nebenarbeit.  Als  eigentliche  kaufmännische  Arbeit  haben
wir  das  Kaufen  und  Verkaufen,  das  Verhandeln  und  Handeln  kennengelemt.  Mit
dieser  kaufmännischen  Grundarbeit  sind  zahlreiche  Nebenarbeiten  verbunden,  die
die  Grundarbeit  teils  unmittelbar  unterstützen,  teils  ihr  vorausgehen  oder  ihr  nachfolgen.
  Sie  heißen  ebenfalls  kaufmännische  Arbeiten,  weil  sie  von  Anfang  an  eine
Begleiterscheinung  des  Handelsbetriebs  gewesen  sind  und  sich  mit  diesem  weiter
entwickelt  haben.  Wir  werden  nachher  noch  sehen,  daß  sie  auch  in  anderen
Betrieben  Vorkommen  und  hier  oft  von  entscheidender  Bedeutung  werden.
a)  Unmittelbar  mit  der  kaufmännischen  Grundarbeit  hängen  Werbung,  Lagerverwaltung ­
  und  Versand  der  Waren  zusammen.
Werbung  ist  die  bewußte  Beeinflussung  von  Menschen  derart,  daß  sie  sich  —  im  Gefühl
eigener  freier  Entschließung  —  den  Gedankengängen  des  Werbenden  anschließen  und  danach
handeln.  Es  liegt  in  der  Natur  des  Wirtsohaftsbetriebes,  daß  die  Werbung  hier  vorwiegend
Kundenwerbung  ist;  für  die  hergestellten  oder  beschafften  Güter  werden  Abnehmer  geworben,
d.  h.  Menschen,  die  ihrer  Zahlungsfähigkeit,  ihrer  inneren  Einstellung,  ihren  persönlichen  Verhältnissen ­
  nach  als  Käufer  in  Frage  kommen  könnten;  sie  werden  durch  offene  oder  versteckte
Mittel  und  Maßnahmen  so  beeinflußt,  daß  nicht  nur  der  Wunsch  in  ihnen  entsteht,  gerade  diese
Brauchbarkeiten  und  gerade  die  des  werbenden  Wirtschaftsbetriebes  zu  besitzen,  sondern  daß
sie  auch  diesem  Wunsche  nachgeben.
So  ist  die  Werbung  ein  fast  unentbehrliches  Hilfsmittel  des  Verkaufs.  Ihre  Ausgestaltung
und  Durchführung  ist  natürlich  von  der  Art  und  dem  Umfang  des  Betriebes  und  den  zur
Verfügung  stehenden  Mitteln  wie  den  zu  verkaufenden  Waren  abhängig.  Aber  es  ergibt  sich
eine  Fülle  von  Möglichkeiten.  Schon  durch  die  Wahl  des  Standortes  (im  Verkehrszentrum)
oder  die  äußere  Aufmachung  des  eigenen  Gebäudes  oder  des  Bürohauses,  in  dem  gemietet
wurde,  durch  die  Gestaltung  der  Inneneinrichtung,  vor  allem  soweit  sie  mit  den  zu  beeinflussenden ­
  Menschen  in  Berührung  kommt,  wird  geworben.  Die  Kleidung  der  Verkäuferinnen
oder  der  Pförtner,  Fahrstuhlführer  und  Boten,  die  Aufmachung  der  Fahrzeuge,  der  Packungen
und  Briefbogen,  die  Einrichtung  besonderer  Bequemlichkeiten  oder  Vorteile  während  des  Kaufs,
die  geschmackvolle,  saubere,  gefällige  Form  der  angebotenen  Waren  und  ihre  Zurschaustellung, ­
  ferner  Stiftungen,  Wettbewerbe,  Preisausschreiben  usw.  sind  sämtlich  als  Formen  verdeckter ­
  Werbung  zu  betrachten.
Die  offene  Werbung  kann  mündlich  (akustisch)  —  durch  Ausrufer,  Vertreter,  Rundfunkansage ­
  —  oder  schriftlich  (optisch)  erfolgen.  Preislisten,  Warenverzeichnisse,  Werbebriefe,
Einzelanpreisungen,  Rundschreiben,  Handzettel  u.  a.  sind  die  mehr  persönlichen,  Anzeigen,
Anschläge,  Schaustellungen,  Filme,  Leuchtzeichen  die  unpersönlichen  Mittel;  Zugaben  verschiedener ­
  Art,  ferner  Probesendungen,  Kostproben  sollen  darüber  hinaus  unmittelbare  Erinnerungen ­
  oder  Vorstellungen  erwecken.
Alle  diese  Mittel  und  Formen  der  Werbung  erfordern  viel  besonderes  Wissen:  einmal  in
Kenntnis  des  rein  Handwerksmäßigen,  daneben  aber  besonders  auch  Einblicke  in  das  Wesen
der  menschlichen  Beeinflussungsmögliohkeit,  die  nur  zum  Teil  erlernbar,  im  übrigen  mehr  dem
Gefühl  zugänglich  sind.  Da  der  Erfolg  der  einzelnen  Maßnahme  meist  nur  schwer  erkennbar
ist,  gehört  die  Feststellung,  ob  die  Werbung  hinsichtlich  der  Wirkung  in  einem  günstigen  Verhältnis ­
  einerseits  zu  den  aufgewendeten  Mühen  und  Kosten  und  andererseits  zu  den  Leistungsmögliohkeiten
  des  Betriebes  steht,  zu  den  schwierigsten  Fragen  des  Kaufmanns.  Den  Werber
selbst,  der  oft  in  der  Freude  des  Werbeschaffens  das  wirtschaftliche  Maß  übersieht,  brauchen
solche  Erwägungen  bei  seiner  Arbeit  nicht  zu  stören.  Er  hat  zwar  auf  die  geldlichen  Mittel
insofern  Rücksicht  zu  nehmen,  als  ihm  der  auszugebende  Betrag,  welcher  nach  den  Grundsätzen
und  der  Möglichkeit  der  Rentabilität  des  Betriebes  bemessen  ist,  zur  Verfügung  gestellt  wird
und  er  mit  diesem  Betrag  wirtschaftlich,  d.  h.  mit  der  größten  Nutzwirkung,  umzugehen  hat.
Bei  der  Schwierigkeit  und  dem  Umfang  der  bei  der  Werbung  zu  leistenden  Arbeit  nimmt
es  nicht  Wunder,  daß  sich  bald  auch  selbständige  Fachleute  auf  diesem  Gebiet  betätigten:
Werbeberater  oder  Werbeunternehmungen  mit  großen  Hilfsmitteln  und  besonderen  Kenntnissen ­
  der  Märkte  und  Käuferschichten  und  der  psychologischen  Wirkungen.  Zeitungskataloge,
Preistarife,  Bevölkerungstabellen,  Reklamemuster  der  Geschäftszweige,  Plakatsammlungen  —
nach  Entwerfern.  Waren,  Herstellern,  Erscheinungsjahr  geordnet  —,  Anschriftenkarteien  u.  a.
            
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