Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Menschen  im  Betrieb.

schnell  zurechtzufinden,  die  Verhältnisse  zu  beurteilen,  die  Folgen  der  eigenen
Handlungen  schnell  zu  übersehen,  also  über  eine  Kombinationsgabe  zu  verfügen.
Zu  den  Fähigkeiten  gehört  vor  allem  die  Kunst,  im  richtigen  Augenblick  zu  handeln, ­
  aber  mit  Überlegung  zu  handeln:  wagen,  nicht  ohne  zuvor  zu  wägen.  Der
Entschluß  zum  Handeln  ist  die  wichtigste  Fähigkeit,  über  die  der  Unternehmer
verfügen  muß.  Häufig  muß  eine  Geschicklichkeit  im  Verhandeln  hinzutreten,  um
den  Partner  zum  Abschluß  geneigt  zu  machen.  Von  Vorteil  kann  sein,  aus
fremden  Gedankengängen  das  zu  Verwirklichende  schnell  zu  erkennen  oder  zur
Verwirklichung  eigener  Einfälle  die  richtigen  Personen  auszuwählen  und  anzusetzen. ­

Nicht  immer  verbürgen  diese  Dinge:  Kenntnisse,  Charaktereigenschaften  und
Fähigkeiten  den  Erfolg.  Der  Unternehmer  muß  überdies  noch  etwas  haben,  was
er  nicht  meistern  kann:  Glück,  worunter  man  alle  die  für  den  Erfolg  menschlicher
Tätigkeit  maßgebenden  Umstände  zusammenfassen  kann,  deren  Auftreten  vom
menschlichen  Willen  unabhängig  ist.  Hiermit  hängt  zusammen  (wenn  auch  die
geschichtliche  Entstehung  anders  erklärt  wird),  daß  von  alters  her  die  Geschäftsbücher ­
  des  Kaufmanns  auf  der  ersten  Seite  den  Spruch  aufweisen:  Mit  Gott!
In  der  Praxis  werden  diese  Voraussetzungen  nicht  immer  und  in  ihrer  größten
Vollkommenheit  in  einer  Person  Zusammentreffen;  in  der  Regel  wird  schon  ein
niederer  Grad  von  Vollkommenheit  genügen,  um  den  Erfolg  sicherzustellen.  Das
bedeutet  freilich,  daß  sich  tüchtige  Untemehmernaturen  um  so  leichter  durchzusetzen ­
  vermögen;  die  Geschichte  der  großen  Unternehmungen  liefert  hierzu
zahlreiche  Beispiele.  Das  trifft  nicht  nur  auf  die  persönlichen  Unternehmungen  zu
(wie  Krupp,  Borsig,  Siemens),  sondern  auch  bei  den  Aktiengesellschaften  sind  es
in  der  Regel  einzelne  Personen  gewesen,  die  weitausschauende  Pläne  entwickelt,
schwerwiegende  Entscheidungen  getroffen  und  Schwierigkeiten  aller  Art  überwunden ­
  haben.  Es  kommt  hinzu,  daß  —  geschichtlich  gesehen  —  die  eine  oder
andere  Voraussetzung  nach  Zeit  und  Volk  weniger  oder  mehr  ausgeprägt  gewesen
ist,  und  daß  sie  auch  heute  noch  innerhalb  desselben  Volkes  nach  Landschaften
recht  verschieden  ausfallen  können.
Zum  Unternehmer  gehört  eine  Veranlagung,  eine  kaufmännische  Begabung,
die  die  für  die  Unternehmung  wertvollen  Geschäfte  ahnt  und  ihren  Ablauf  gefühlsmäßig ­
  erfaßt,  eine  Begabung,  die  über  die  möglichen  Schwierigkeiten  der  praktischen ­
  Durchführung  mit  einer  gewissen  Nachlässigkeit  hinweggeht.  Wer  diese
Begabung  für  kaufmännisches  Denken  und  Handeln  nicht  mitbringt,  sollte  es  sich
sehr  überlegen,  ob  er  über  den  Weg  des  Lernens  allein  ein  tüchtiger  Unternehmer
werden  will.  Wie  überall,  so  gilt  auch  hier  der  Erfahrungssatz:  nicht  der  Mensch
ergreift  einen  Beruf,  sondern  der  Beruf  ergreift  den  Menschen.  Man  muß  Unternehmer ­
  sein,  um  es  zu  werden.
Anders  steht  es  mit  den  erforderlichen  Kenntnissen;  sie  müssen  und  können  erworben  werden. ­
  Nun  gibt  es  freilich  keinen  vorgeschriebenen  (oder  ausgeprobten)  Ausbildungsgang  für
Unternehmer.  Wenn  jemand  Kaufmann  werden  will,  so  erlernt  er  die  Handlung,  wird  Angestellter ­
  und  versucht  es  schließlich  mit  einem  eigenen  Wirtschaftsbetrieb  oder  mit  der  Erlangung ­
  des  Amtes  eines  Vorstandsmitgliedes  bei  einer  Aktiengesellschaft.  Doch  sollte  dieses
Lernen  nicht  allein  in  der  Ansammlung  möglichst  vieler  Einzelkenntnisse  bestehen,  sondern
worauf  es  ankommt  ist:  das  Mit-  und  Naoherleben  der  Vorgänge  wie  ihrer  Beweggründe  und
ihrer  Erfolge.  Die  Schulung  des  eigenen  Könnens  an  den  miterlebten  Erfahrungen  anderer,
das  geistige  Hineinwachsen  in  die  Welt  der  kaufmännischen  Dinge,  die  Weckung  und  Überprüfung ­
  des  eigenen  Unternehmerwillens  soll  gelernt  werden.  Nicht  immer  sind  die  Voraussetzungen ­
  für  eine  solche  Ausbildung  des  Unternehmers  so  günstig,  wie  sie  in  Ereytags
„Soll  und  Haben“  dargestellt  werden,  wo  die  Angestellten  zugleich  im  Hause  des  Kaufmanns
leben.  Einen  brauchbaren  Ersatz  für  diese  Art  des  Lernens  bilden  u.  a.  Lebensauf  Zeichnungen
erfolgreicher  Unternehmer  über  ihre  Zielsetzungen  und  Erfahrungen,  über  Irrtümer  und  Erfolge ­
  vor  allem,  wenn  die  Schriften  wirklich  von  ihnen  selbst  verfaßt  sind  und  nicht  auf  der
Sohreibkunst  ihrer  Sekretäre  beruhen.
            
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