Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Menschen  im  Betrieb.

gemeinsamen  Urlaub.  Diese  Art  ist  natürlich  nicht  in  allen  Geschäftszweigen  durchführbar,
im  Handel  und  Verkehr  und  Bankwesen  wohl  am  wenigsten,  aber  auch  in  Betrieben  mit  durchgehendem ­
  Verfahrensbetrieb  nur  schwer  (Hochöfen,  Chemiebetriebe),  am  leichtesten  wohl  in
Fertigungsbetrieben,  die  auf  Lager  arbeiten  können  und  ihre  Handelsabteilung  weiter  laufen
lassen,  aber  auch  in  Betrieben  mit  mehreren  gleichartigen  Teilbetrieben,  von  denen  einer  oder
mehrere  abwechselnd  stillgelegt  werden  (Bergwerke  mit  mehreren  Schächten).  Mehrkosten
durch  Mehreinstellungen  würden  bei  dieser  Handhabung  weitgehend  in  Fortfall  kommen,  zum
Teil  durch  Ansammlung  der  Aufträge  und  bessere  Ausnutzung  der  Anlagen  sogar  betriebliche
Vorteile  sich  ermöglichen  lassen,  obwohl  natürlich  ein  großer  Teil  der  Kosten  weiterläuft.
Immerhin  wäre  es  durchaus  denkbar,  daß  durch  entsprechende  Einteilung  der  Arbeit  die  Mehrkosten ­
  des  Urlaubs  überhaupt  ausgeglichen  werden  könnten,  was  besonders  dann  der  Fall  sein
wird,  wenn  die  Betriebe  im  ganzen  nicht  voll  beschäftigt  sind.  Andererseits  sind  natürlich  die
gemeinsamen  Ferienfahrten  fast  nie  ohne  einen  Kostenzuschuß  der  Betriebe  durchzuführen;
darüber  hinaus  aber  werden  durch  Ausnutzung  der  Massenbeteiligung  erhebliche  Kostenvorteile ­
  möglich.  Die  zeitliche  Ansetzung  aller  gemeinsamen  Veranstaltungen,  vor  allem  der  Urlaubsfahrten, ­
  muß  daher  naturgemäß  auf  die  Bedürfnisse  der  einzelnen  Betriebe  Rücksicht
nehmen.  Jedenfalls  stellt  die  Durchführung  aller  dieser  Maßnahmen  an  die  Betriebsleitung
eine  ganze  Reihe  von  organisatorischen  und  wirtschaftlichen  Erwägungen.  Im  ganzen  aber
werden  vor  allem  die  mittelbaren  Vorteile  in  Gestalt  einer  besseren  Betriebsgemeinschaft  alle
organisatorischen  Störungen  und  Kosten  ühertreffen,  so  daß  die  Einrichtung  der  Gemeinschaft
„Kraft  durch  Freude“  —  über  alle  technischen  Schwierigkeiten  in  Einzeldingen  hinaus  —  als
wesentlicher  Beitrag  zur  Befriedung  und  Leistungssteigerung  der  Betriebe  anzusehen  ist.  Daß
natürlich  mehr  noch  die  geistige  und  körperliche  Kräftigung  der  Bevölkerung  ausschlaggebend ­
  ist,  soll  hier  nur  vermerkt  werden.
Mit  dem  einzelnen  Wirtsehaftsbetrieb  arbeitet  besonders  eng  zusammen  das  Amt  für
Schönheit  der  Arbeit.  Es  hat  die  Aufgabe,  den  Gedanken  des  hellen,  freundlichen  und  sauberen ­
  Arbeitsplatzes  bei  Betriebsführern  und  Gefolgsleuten  in  die  Tat  umzusetzen.  Die  Aufbringung ­
  der  Mittel  für  die  betrieblichen  Maßnahmen  ist  Sache  des  Unternehmers,  was  die
Arbeit  des  Amtes  natürlich  wesentlich  erschwert.  Abgesehen  von  der  Hebung  der  Zufriedenheit ­
  der  Gefolgschaft  kann  abseits  stehenden  Unternehmern  gegenüber  darauf  aufmerksam
gemacht  werden,  daß  bei  freundlichen,  hellen,  sauberen  und  bequemen  Arbeitsplätzen  die
Leistung,  Genauigkeit  und  Sauberkeit  der  Arbeit  steigt,  daß  ferner  ganz  andere  Möglichkeiten
der  Organisation  der  Arbeit  in  Frage  kommen.  Die  Aufwendungen  für  die  Verschönerung  des
Arbeitsplatzes  machen  sich  also  unmittelbar  durch  die  Hebung  des  Arbeitsertrages  bezahlt.
4.  Die  Höhe  der  Entgelte.  Uber  die  tatsächliche  Höhe  der  Entgelte  für  die
kaufmännischen  Mitarbeiter  sind  erst  in  der  Nachkriegszeit  Erhebungen  angestellt ­
  worden,  die  einen  einigermaßen  zutreffenden  Einblick  in  die  Verhältnisse
ermöglichen.
Vor  dem  Kriege  sind  mehrfach  Versuche  privater  und  öffentlicher  Stellen  gemacht  worden;
sie  blieben  jedoch  fast  immer  unvollkommen,  weil  der  Kreis  der  erfaßten  Personen  nicht  weit
genug  gezogen  wurde.  Bei  einer  Erhebung  des  Verbandes  Deutscher  Handlungsgehilfen  aus
dem  Jahre  1890,  der  etwa  1000  Fragebogen  an  Betriebe  verschickte,  ergab  sich,  daß  bei  freier
Station  als  geringstes  Gehalt  240  M  und  als  Durchschnittsgehalt  540  M  im  Jahr,  bei  nicht
freier  Station  720  M  und  1080  M  im  Jahr  in  Städten  bis  20  000  Einwohnern  die  Regel
bildete.  Auch  andere  Versuche  (etwa  1890),  aus  den  Listen  der  offenen  Stellen  hei  den  Verbänden, ­
  die  Gehaltsangebote  der  Arbeitgeber  enthielten,  Schlüsse  zu  ziehen,  kamen  zu  dem
Ergebnis,  daß  etwa  die  Ladenangestellten  je  nach  dem  Wirtschaftszweig  oder  den  Ortsverhältnissen ­
  bei  voller  Selbstbeköstigung  1000—1600  M  im  Jahre  erhielten.  Für  weibliche  Angestellte ­
  wurden  in  Berlin  in  den  Jahren  1893—1898  für  Verkäuferinnen  Gehälter  von  etwa
57—62  M,  für  Kontoristinnen  von  62—70  M  monatlich  ermittelt  (Schmollers  Jahrbuch  1899,
S.  199.).  In  Leipzig  betrug  im  Jahre  1899  das  Durchschnitts-Monatsgehalt  für  Verkäuferinnen ­
  sogar  nur  52,90  und  für  Buchhalterinnen  66,85  M  (Krause:  Soziale  Praxis,  1899).
Die  erste  größere  Fragebogenerhebung  von  Einzelpersonen,  die  1902  vom  Verein  Deutscher
Kaufleute  durohgeführt  wurde,  ermittelte  Jahresdurchschnittsgehälter  für  Buchhalter  von
1890  M  und  für  Verkäufer  von  1460  M  im  Jahr.  Zum  ersten  Male  wurde  hierbei  auch  die
Tatsache  der  Gehaltssteigerung  mit  dem  Lebensalter  zahlenmäßig  helegt:  von  einem  Durchschnittsalter ­
  um  20  Jahre  bis  zu  einem  Alter  von  40—49  Jahren  stiegen  die  Gehälter  der  Buchhalter ­
  von  920  auf  2440  M,  die  der  Verkäufer  von  790  auf  2660  M  im  Jahr.
Aus  dem  Jahre  1903  liegt  eine  erste  amtliche  Ermittlung  vor,  die  150  000  Personen  umfaßte ­
  und  aus  der  hervorgeht,  daß  im  Durchschnitt  an  diese  Personen  ein  Jahresgehalt  von
2064  M  gezahlt  wurde;  je  nach  dem  Lebensalter  staffelte  sich  das  Einkommen  von  1063  M
(14—20  Jahre)  bis  auf  2404  M  (45—50  Jahre).  Die  vom  Deutschnationalen  Handlungsgehilfen-Verband
  1908  durchgeführte  Erhebung,  die  sich  auf  etwa  33  000  Fragebogen  stützte.
            
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