Full text: Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die Menschen im Betrieb. 
Nur in einem Betriebe, in dem jeder Mitarbeiter jede Handlung und jede Maß 
nahme mehr oder minder begreifen kann, wo er nicht erst verwickelte Verstandes 
anstrengungen zu machen braucht, sondern schon mit Auge, Ohr und Gefühl Ur 
sachen und Auswirkungen erkennt, nur in solchen Betrieben ist Raum für ein 
patriarchalisches, hausväterliches Verhältnis zwischen dem ,,Alten“ und seinen 
Leuten. Nur dort ist das Gefühl der gemeinsamen Tätigkeit noch stark genug, 
um eine wirkliche Arbeitsgemeinschaft zu bilden und ihren Nutzen, aber auch 
ihren Zwang anzuerkennen und zu bejahen; zudem läßt auch der enge Verkehr 
mit der Kundschaft leicht Einblicke zu in die Opfer und Anstrengungen, welche 
gegen den Erlös zu leisten sind. 
Dieser unmittelbare Überblick geht den einzelnen Mitarbeitern mit der Größe 
der Betriebe verloren. Anordnungen und Verhaltungsmaßregeln, vielfach aus Er 
fahrungen an anderen Stellen, aus gesetzlichen Vorschriften, aus technischen, or 
ganisatorischen oder kaufmännischen Notwendigkeiten erwachsen, erscheinen 
dem einzelnen sinnlos oder überflüssig und rufen Mißmut und Verärgerung her 
vor. Die geforderten Leistungen erscheinen ihm im Vergleich zum Entgelt zu 
gering, da er eine große Anzahl von Personen im Betrieb sieht, deren Tätigkeit 
ihm nicht einleuchtet, die ihm als Schmarotzer Vorkommen, welche von seiner 
Hände Eleiß leben. Die verfeinerte, auf vielen Vordrucken, Schreibereien und 
Anordnungen beruhende Betriebsorganisation bleibt ihm unverständlich und die 
in ihrem Rahmen tätig werdenden Menschen sind ihm lästig. Seine Wünsche, 
seine Forderungen, seine Anregungen versickern auf dem Wege zu den maßgeben 
den Stellen oder bleiben liegen, bis sie wertlos oder überholt sind. So entstehen 
Mißmut und Ärger über seine Lage, die oft genug den Anstoß zum Wechsel der 
Arbeitsstätte, meist aber zu einem passiven Widerstand, zur Arbeitsunlust, zur 
Vorenthaltung seiner vollen Leistungsfähigkeit führen. 
Neben diesen mehr gefühlsbetonten, ideologischen Ursachen und Gründen 
einer bewußten Personalpolitik im Großbetrieb sind jedoch noch sachliche Tat 
bestände zu beachten, die ebenso stark mitsprechen. Die aus organisatorischen 
Erwägungen erforderliche Aufgabengliederung und Ordnung machen eine sehr viel 
genauere Auslese der Personen nötig, eine Auslese, die nicht immer nur davon aus 
gehen darf, j eweils die Höchstleistungsfähigen für die bestimmten Aufgaben heraus 
zufinden oder heranzubilden, sondern die mehr und mehr, schon aus Gründen der 
Wirtschaftlichkeit, dazu übergehen muß, die Aufgaben den vorhandenen Men 
schen anzupassen. In kleineren Betrieben, wo die Gliederung der Aufgaben nicht 
so weit fortgeschritten ist, ist die Art der zu erledigenden Arbeiten schon durch die 
verschiedenen Aufgaben noch sehr unterschiedlich nach der notwendigen Ge 
schicklichkeit und Erfahrung; hier wird fast von selbst sich eine Zuteilung der 
Arbeit nach dem vorhandenen Personal ermöglichen lassen. 
Die weitgehende Aufgabengliederung und -Stückelung im Großbetrieb er 
schwert jedoch diese Zuteilung. Nur wenige Menschen sind es, die noch zu über 
legen brauchen; eine große Anzahl verrichtet kleine Teilaufgaben, deren Erledi 
gung zumeist bis ins kleinste vorgeschrieben ist, so daß also eine sehr kurze 
Anlernzeit und geringe Kenntnis und Erfahrung vielfach genügen, um sie im 
Sinne des Betriebsganzen ausführen zu können. Daneben sind schwierigere, ver 
antwortungsvollere Aufgaben geblieben, für die die Auswahl des Ausführenden 
besonders vorsichtig sein muß. So ergibt sich, daß leicht zu viel oder zu wenig 
verlangt werden kann, daß vor allem die Leistung sich mehr auf die Menge 
verlagert, die natürlich in vorgesehener Güte geliefert werden muß, aber in 
den wenigsten Fällen — die immer auszumerzen versucht werden — noch 
Überlegungen des Ausführenden selbst zulassen. Den rechten Mann an den 
rechten Platz zu stellen, wo seine Leistungsfähigkeit weder zu sehr angespannt
	        
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