Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

86

Die  Menschen  im  Betrieb.

Nur  in  einem  Betriebe,  in  dem  jeder  Mitarbeiter  jede  Handlung  und  jede  Maßnahme ­
  mehr  oder  minder  begreifen  kann,  wo  er  nicht  erst  verwickelte  Verstandesanstrengungen ­
  zu  machen  braucht,  sondern  schon  mit  Auge,  Ohr  und  Gefühl  Ursachen ­
  und  Auswirkungen  erkennt,  nur  in  solchen  Betrieben  ist  Raum  für  ein
patriarchalisches,  hausväterliches  Verhältnis  zwischen  dem  ,,Alten“  und  seinen
Leuten.  Nur  dort  ist  das  Gefühl  der  gemeinsamen  Tätigkeit  noch  stark  genug,
um  eine  wirkliche  Arbeitsgemeinschaft  zu  bilden  und  ihren  Nutzen,  aber  auch
ihren  Zwang  anzuerkennen  und  zu  bejahen;  zudem  läßt  auch  der  enge  Verkehr
mit  der  Kundschaft  leicht  Einblicke  zu  in  die  Opfer  und  Anstrengungen,  welche
gegen  den  Erlös  zu  leisten  sind.
Dieser  unmittelbare  Überblick  geht  den  einzelnen  Mitarbeitern  mit  der  Größe
der  Betriebe  verloren.  Anordnungen  und  Verhaltungsmaßregeln,  vielfach  aus  Erfahrungen ­
  an  anderen  Stellen,  aus  gesetzlichen  Vorschriften,  aus  technischen,  organisatorischen ­
  oder  kaufmännischen  Notwendigkeiten  erwachsen,  erscheinen
dem  einzelnen  sinnlos  oder  überflüssig  und  rufen  Mißmut  und  Verärgerung  hervor. ­
  Die  geforderten  Leistungen  erscheinen  ihm  im  Vergleich  zum  Entgelt  zu
gering,  da  er  eine  große  Anzahl  von  Personen  im  Betrieb  sieht,  deren  Tätigkeit
ihm  nicht  einleuchtet,  die  ihm  als  Schmarotzer  Vorkommen,  welche  von  seiner
Hände  Eleiß  leben.  Die  verfeinerte,  auf  vielen  Vordrucken,  Schreibereien  und
Anordnungen  beruhende  Betriebsorganisation  bleibt  ihm  unverständlich  und  die
in  ihrem  Rahmen  tätig  werdenden  Menschen  sind  ihm  lästig.  Seine  Wünsche,
seine  Forderungen,  seine  Anregungen  versickern  auf  dem  Wege  zu  den  maßgebenden ­
  Stellen  oder  bleiben  liegen,  bis  sie  wertlos  oder  überholt  sind.  So  entstehen
Mißmut  und  Ärger  über  seine  Lage,  die  oft  genug  den  Anstoß  zum  Wechsel  der
Arbeitsstätte,  meist  aber  zu  einem  passiven  Widerstand,  zur  Arbeitsunlust,  zur
Vorenthaltung  seiner  vollen  Leistungsfähigkeit  führen.
Neben  diesen  mehr  gefühlsbetonten,  ideologischen  Ursachen  und  Gründen
einer  bewußten  Personalpolitik  im  Großbetrieb  sind  jedoch  noch  sachliche  Tatbestände ­
  zu  beachten,  die  ebenso  stark  mitsprechen.  Die  aus  organisatorischen
Erwägungen  erforderliche  Aufgabengliederung  und  Ordnung  machen  eine  sehr  viel
genauere  Auslese  der  Personen  nötig,  eine  Auslese,  die  nicht  immer  nur  davon  ausgehen ­
  darf,  j  eweils  die  Höchstleistungsfähigen  für  die  bestimmten  Aufgaben  herauszufinden ­
  oder  heranzubilden,  sondern  die  mehr  und  mehr,  schon  aus  Gründen  der
Wirtschaftlichkeit,  dazu  übergehen  muß,  die  Aufgaben  den  vorhandenen  Menschen ­
  anzupassen.  In  kleineren  Betrieben,  wo  die  Gliederung  der  Aufgaben  nicht
so  weit  fortgeschritten  ist,  ist  die  Art  der  zu  erledigenden  Arbeiten  schon  durch  die
verschiedenen  Aufgaben  noch  sehr  unterschiedlich  nach  der  notwendigen  Geschicklichkeit ­
  und  Erfahrung;  hier  wird  fast  von  selbst  sich  eine  Zuteilung  der
Arbeit  nach  dem  vorhandenen  Personal  ermöglichen  lassen.
Die  weitgehende  Aufgabengliederung  und  -Stückelung  im  Großbetrieb  erschwert ­
  jedoch  diese  Zuteilung.  Nur  wenige  Menschen  sind  es,  die  noch  zu  überlegen ­
  brauchen;  eine  große  Anzahl  verrichtet  kleine  Teilaufgaben,  deren  Erledigung ­
  zumeist  bis  ins  kleinste  vorgeschrieben  ist,  so  daß  also  eine  sehr  kurze
Anlernzeit  und  geringe  Kenntnis  und  Erfahrung  vielfach  genügen,  um  sie  im
Sinne  des  Betriebsganzen  ausführen  zu  können.  Daneben  sind  schwierigere,  verantwortungsvollere ­
  Aufgaben  geblieben,  für  die  die  Auswahl  des  Ausführenden
besonders  vorsichtig  sein  muß.  So  ergibt  sich,  daß  leicht  zu  viel  oder  zu  wenig
verlangt  werden  kann,  daß  vor  allem  die  Leistung  sich  mehr  auf  die  Menge
verlagert,  die  natürlich  in  vorgesehener  Güte  geliefert  werden  muß,  aber  in
den  wenigsten  Fällen  —  die  immer  auszumerzen  versucht  werden  —  noch
Überlegungen  des  Ausführenden  selbst  zulassen.  Den  rechten  Mann  an  den
rechten  Platz  zu  stellen,  wo  seine  Leistungsfähigkeit  weder  zu  sehr  angespannt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.