Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

von  der  Lohnproduktionssteuer  erfüllt:  Es  steht  ja  nichts  im  Wege,
statt  10  auch  z.B.  12  Prozent  der  Jahreslohnsumme  zu  erheben;  ich  glaube
aber,  der  Ertrag  der  Steuer  wird  schon  bei  10  Prozent  so  groß  sein,
daß  eine  Heraufsetzung  des  Steuersatzes  sich  erübrigt.  Außerdem
können  ja  auch  einige  der  jetzt  schon  vorhandenen  Steuern,  besonders
die  Konsumsteuern,  noch  eine  Zeitlang  weiter  in  Kraft  bleiben.
Gegen  jede  Steuer,  besonders  aber  gegen  neue,  werden  Einwendungen ­
  theoretischer  wie  praktischer  Natur  erhoben  werden,  und
sie  lassen  sich  z.  T.  vielleicht  auch  mit  einem  gewissen  Recht  erheben.
Hier  sei  nur  noch  auf  einen  Einwand  volkswirtschaftlicher  Art  eingegangen: ­
  Es  wird  mir  vielleicht  entgegengehalten  werden,  daß  durch
die  Lohnproduktionssteuer,  unter  Aufhebung  des  jetzigen  Steuerabzuges
von  10  Prozent,  die  Geldentwertung  weiter  gefördert  werde,  da  diese
Aenderung  für  viele  Arbeitnehmer  ein  plötzliches  und  vielleicht  sogar
unerwartetes  oder  nicht  verlangtes  erhöhtes  Einkommen  bedeute.
Das  ist  nicht  ganz  unrichtig;  ich  rechne  aber  damit,  daß  wir  sowieso
noch  nicht  an  das  Ende  der  Lohnforderungen  und  Lohnerhöhungen
gelangt  sind  und  daß  gerade  die  jetzige  Zeit  deshalb  besonders
geeignet  erscheint,  eine  derartige  grundsätzliche  Steueränderung  einzuführen. ­
  Die  Unternehmer  werden  großenteils  geneigt  sein,  bei
neuen  Lohnbewegungen,  vielleicht  zunächst  zu  gleichen  Teilen,  später  ganz
den  jetzt  bestehenden  zehnprozentigen  Steuerabzug  auf  ihre  Schultern
zu  übernehmen,  natürlich  gegen  Berücksichtigung  dieser  Tatsache  bei
der  Kalkulation,  und  wenn  dann  der  Staat  eines  Tages  die  gesetzliche
Billigung  dazu  ausspricht,  so  wäre  die  dann  noch  vorzunehmende
formelle  und  sachliche  Aenderung  kaum  erwähnenswert.  —  Ich  hatte
oben  gesagt,  daß  man  bei  notwendig  werdendem  Staatsbedarf  statt
10  Prozent  Lohnproduktionssteuer  auch  einen  höheren  Satz  erheben
könnte.  Wenn  ich  einer  solchen  Erhöhung  das  Wort  rede,  so  wird
das  selbstverständlich  von  mancher  Seite  für  eine  ungerechte  Besteuerung
der  großen  Massen  und  für  einen  unglaublich  kapitalistischen  Vorschlag
und  Vorstoß  gehalten  werden.  Das  ist  es  aber  keineswegs,  sondern
selbst  eine  Lohnproduktionssteuer  von  20  Prozent  ist  durchaus  sinngemäß ­
  und  beruht  letzten  Endes  einfach  aus  der  unveränderlichen
Tatsache,  daß  die  80  Prozent  produktiven  Arbeiter  —  man  vergleiche
mein  oben  gebrachtes  Beispiel  dieser  Art  —  von  dem  Gesamtresultat
ihrer  Arbeit  den  fünften  Teil  zur  Ernährung  der  übrigen,  also  der
unproduktiven  Personen,  abgeben  müssen.
            
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