Full text: Über asiatische Wechselkurse

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ihre historische Rolle weiter zu führen. Im übrigen ist der 
Zu- und Abfluß des Silbers in Indien nicht mehr Ausdruck 
der Zahlungsbilanz, sondern wird von anderen Gründen be 
dingt, Daran ändert auch nichts der Umstand, daß die 
Indier Silberbarren nicht nur zu Ornamenten und sonstigem 
Schmuck verwenden, sondern auch zur Vermögensanlage 
benutzen, denn die umgekehrte Transaktion der Umwand 
lung der Barren in Geld stellt sich nur noch als Verkauf von 
Metallmengen dar. Im Verkehr mit dem Silberlande China 
ist die Sache etwas anderes, ohne jedoch das Bild grund 
sätzlich zu ändern, denn auch England z, B. verschifft Sil 
ber nach China, ohne daß man diesen Export anders als 
eine Warentransaktion ansieht. 
Über Art und Umfang des indischen Silberbedarfs und 
die sogenannte Thesaurierung läßt sich ein Berichtdes 
Handelssachverständigen beim Generalkonsulat Bombay 
näher aus; „Den Gegenwert, welchen der Bauer für seine 
Landesprodukte in klingender Münze sich auszahlen läßt, 
benutzt er nicht etwa zur Verbesserung seiner Lebenshal 
tung, wie z, B, für den Bau einer besseren Hütte, zur An 
schaffung besserer Kleidungsstücke etc. oder noch viel weni 
ger zur Verzinsung durch Anlage in Sparkassen und der 
gleichen, sondern er behält im allgemeinen das Geld in Mün 
zen bei sich oder behängt damit in Gestalt von Schmuck 
sachen seine Frau und seine Kinder, Der bislang dem Han 
del auf diese Weise entzogene Wert ist verschiedentlich auf 
300 Millionen Pfund geschätzt worden. Man behauptet so 
gar, daß die jährlich dem Verkehr entnommenen Summen 
sich auf 11 Millionen Pfund belaufen sollen. Dieser Betrag 
dürfte in früheren Jahren, als die Zustände des Landes 
noch unsicherer waren, erreicht worden sein, doch ist kaum 
anzunehmen, daß derartige Summen noch jetzt sozusagen 
vergraben und versteckt werden, und viele Zeichen sprechen 
dafür, daß auch der indische Sparer sich immer mehr dazu 
versteht, seinen Reichtum in den Postsparkassen zu hinter 
legen oder auch in guten mündelsicheren Papieren, auch 
selbst in Industriebetrieben wie z, B, Baumwollfaktoreien, 
Kohlenzechen usw, zur Verzinsung anzulegen. Fernerhin 
1) Deutsches Handelsarchiv, 1909, II, Teil, Seite 303.
	        
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